Analyse

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Analyse
theologische Kriterien
Konsequenzen

 

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Das Erzbischöfliche Dekanat Kulmbach

Analyse – theologische Kriterien – Konsequenzen

 

Gliederung

 

 

Vorwort von Dekan Hans Roppelt

4

1.

SEHEN – die Analyse

5

1.1

Die Situation der Menschen im Dekanat Kulmbach

5

1.1.1

Die wirtschaftliche Situation

5

1.1.2

Die Altersstruktur

5

1.2

Die Pfarrgemeinden im Dekanat Kulmbach

5

1.2.1
Struktur und Gottesdienstformen
5
1.2.2
Seelsorge
6

1.2.3

Ehrenamtliches Engagement

7

1.2.4
Sakramentenvorbereitung
8

1.2.5

Messner

8

1.2.6

Kirchenmusiker

8

1.2.7
Schule und Pfarrgemeinde
9

1.2.8

Ökumenische Zusammenarbeit in den Gemeinden

9

1.3

Kirchlich-caritative Einrichtungen

9

1.3.1

Kindergärten

9

1.3.2

Kinderhorte

10

1.4

Die Angebote des Caritasverbandes und der Pfarreien im caritativ-sozialen Bereich

11

1.4.1

Die stationäre Altenhilfe: Das Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Marien in Stadtsteinach

11

1.4.2

Die seelsorgerische Betreuung der Heime durch die katholischen Pfarreien

11

1.4.3

Die ambulante Altenhilfe: Caritas – Sozialstationen

11

1.4.4

Die sozialen Beratungsdienste des Caritasverbandes Kulmbach

12

1.4.4.1
Die Soziale Beratungsstelle des Caritasverbandes mit Kur und Erholung
12
1.4.4.2
Der Betreuungsverein des Caritasverbandes Kulmbach
12
1.4.4.3
Die Migrationsberatung des Caritasverbandes
13
1.4.4.4
Die ambulanten Jugendhilfe-Maßnahmen
13

1.4.5         

Die offene Altenarbeit: Seniorenkreise und –clubs sowie Freizeitgruppen

13

1.4.6         

Behindertengruppen

13

1.5

 

3

 

Jugendarbeit

14

1.5.1

Jugendarbeit in den Pfarreien

14

1.5.1.1

Ministrantengruppen

14

1.5.1.2

Kinder- und Jugendgruppen

14

1.5.1.3

Personelle Situation

15

1.5.1.4

Räumlichkeiten

15

1.5.2
Jugendarbeit auf Dekanatsebene – überörtliche Jugendarbeit
15
1.5.2.1
Dienststelle, Personal, Ehrenamtliche
15

1.5.2.2

Jahresprogramm

16

1.5.2.3

Unterstützung der Jugendverbandsarbeit

16

1.5.2.4

Unterstützung von Pfarreien

16

1.5.2.5

Weitere Angebote

16

1.6

Kategoriale Seelsorge und Sonderseelsorge

17

1.6.1

Betriebsseelsorge

17

1.6.2

Ökumenische Beratungsstelle für Arbeitslose

17

1.6.3

Krankenhausseelsorge

18

1.6.3.1

Klinikum Kulmbach

18

1.6.3.2

Fachklinik Stadtsteinach

18

1.7

Notfallseelsorge

19

1.8

Kath. Erwachsenenbildung im Landkreis Kulmbach (KEB) – vormals: Kreisbildungswerk     

19

 

 

 

2.

URTEILEN – Theologische Kriterien

20

2.1

grundlegende Gedanken

20

2.2

Begründungen und Folgerungen

20

 

 

 

3.

HANDELN – Konsequenzen

22

3.1

bei der Errichtung von Seelsorgebereichen

22

3.2

Sakramentenvorbereitung

22

3.3

Religionsunterricht

23

3.4

Kindergarten

23

3.5

Caritas

23

3.6

Senioren

23

3.7

Jugend

23

3.8

ehrenamtliche Mitarbeiter

24

3.9

Berufs- und Arbeitswelt

24

3.10

Kath. Erwachsenenbildung

24

 

Nachwort von Seelsorgeamtsleiter Dr. Günter Raab

25

 


 

4

Vorwort

 

Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10.10)

 

Dieses „Leben in Fülle“ ist der Wunsch der Menschen. Als Christen deuten wir dieses „Leben in Fülle“ im Sinne der Botschaft Jesu. Wir sind dazu berufen, unseren Beitrag zu leisten, damit es – wenigstens im Ansatz – Wirklichkeit wird. Die Dekanatsanalyse soll dabei helfen, diese Aufgabe zu erfüllen. Sie soll für die Christen im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach, die sich hauptamtlich oder ehrenamtlich in der Seelsorge engagieren, ein Wegweiser sein.

 

In der gemeinsamen Sitzung von Pastoralkonferenz und Dekanatsrat am 10. Oktober 2002 wurde deshalb beschlossen, diese Dekanatsanalyse zu erstellen.

Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, der neben mir angehören: Hermann Hinterstößer, Anke Neuner (bis zur Beendigung ihres Dienstes als Bildungsreferentin im Dekanat Kulmbach), Klaus Oberkofler, Margret von Schkopp, Eckhard Schneider, Willibald Schraml und Karl Wenzel-Teuber. Bei allen, die bei der Erstellung der Dekanatsanalyse mitgearbeitet haben, bedanke ich mich im Namen unseres Dekanates herzlich.

 

Für die Ausarbeitung der Dekanatsanalyse waren die Aussagen des Pastoralplans der Erzdiözese Bamberg „Den Aufbruch wagen – heute!“ maßgebend. Sie folgt ebenso dem Dreischritt „sehen – urteilen – handeln“.

 

Für den ersten Hauptpunkt „SEHEN – Die Analyse“ wurde im Jahr 2003 ein umfangreicher Fragebogen erarbeitet und von allen Pfarrgemeinden, Filialgemeinden und Kuratien des Dekanates beantwortet. Darüber hinaus wurden für einzelne Bereiche der Seelsorge Berichte zur Verfügung gestellt. Allen, die hier ihren Beitrag geleistet haben, sei ebenfalls herzlich gedankt.

 

Der zweite Hauptpunkt „URTEILEN – theologische Kriterien“ entfaltet vor allem das oben zitierte Wort Jesu aus dem Johannesevangelium vom „Leben in Fülle“. Sicher wären auch andere Bibelstellen möglich. Diese zeigt aber – nach der Meinung der Arbeitsgruppe – am besten, was für die Seelsorge im Dekanat Kulmbach wichtig ist.

 

Der dritte Hauptpunkt „HANDELN – Konsequenzen“ erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Für die einzelnen Pfarrgemeinden und Bereiche der Sonderseelsorge und kategorialen Seelsorge werden noch weitere Konsequenzen wichtig sein. Die genannten sollen aber für das Dekanat verbindlich sein. Dabei verstehen sich diese als Konkretisierungen der im Pastoralplan der Erzdiözese genannten Handlungsschritte.

 

Der Entwurf der Dekanatsanalyse wurde bei der Dekanatskonferenz (Dekanatsrat und Pastoralkonferenz) am 15. 6. 2005 vorgestellt und diskutiert. Änderungswünsche und Ergänzungen wurden soweit wie möglich eingearbeitet.

 

Es bleiben der Wunsch und die Hoffnung, dass die Dekanatsanalyse als Wegweiser für die Seelsorge im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach angenommen wird. Nicht zuletzt für den wichtigen und schwierigen Prozess der Bildung von Seelsorgebereichen und der Planung der Vernetzung und der Kooperation soll dieses Werk eine nützliche Hilfe sein.

 

Stadtsteinach, 5. Oktober 2005

Textfeld:

 

Hans Roppelt, Dekan

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1. SEHEN – Die Analyse

 

1.1 Die Situation der Menschen im Dekanat Kulmbach

 

Im katholischen Dekanat Kulmbach, das nahezu deckungsgleich mit dem Landkreis Kulmbach ist, leben etwa 78.500 Menschen. Die Bevölkerung hat in den vergangenen drei Jahren leicht abgenommen. Damit folgt sie der Entwicklung in Oberfranken, während im Rest von Bayern die Bevölkerung steigt. Perspektivisch gehört der Landkreis Kulmbach auch innerhalb Oberfrankens zur Verliererregion (bis 2023 ein Minus von 1,5 Prozent der Bevölkerung).

 

Von den 78.500 Einwohnern sind 20.500 katholisch, das ist ein Anteil von ca. 26 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

 

1.1.1 Die wirtschaftliche Situation

 

Die Wirtschaft im Landkreis Kulmbach ist mittelständisch geprägt. Während bis vor ca. 15-20 Jahren die Textilindustrie die Wirtschaft prägte, sind es heute Dienstleistungsunternehmen (Das Klinikum Kulmbach ist mit 950 Beschäftigten der größte Arbeitgeber) und Unternehmen im Lebensmittelbereich (Kulmbacher Brauerei, Raps, Ireks). Daneben spielt die Landwirtschaft und der Tourismus eine Rolle, wobei die Landwirtschaft kontinuierlich abnimmt und der Tourismus noch nicht die Bedeutung spielt, die sich die politisch Verantwortlichen wünschen.

 

Im Jahr 2004 fielen allein durch die Insolvenz zweier mittelständischer Betriebe in der Stadt Kulmbach 700 Arbeitsplätze weg. Dennoch konzentrieren sich die Arbeitsplätze weiterhin in der Kreisstadt. Im Landkreis selbst sind einige wenige mittelständische Firmen ansässig, die jeweils mehr als 200 Menschen Brot und Arbeit geben.

 

Viele Arbeitnehmer pendeln aus dem Landkreis nach Kulmbach zur Arbeit, während im Oberland (ehemaliger Landkreis Stadtsteinach) teilweise auch nach Hof oder Helmbrechts gependelt wird und die Menschen in den südlichen Gemeinden des Landkreises nicht nur arbeitsplatzmäßig, sondern auch mit Blick auf das Einkaufs- und Freizeitverhalten sich nach Bayreuth hin orientieren.

 

1.1.2 Die Altersstruktur

 

Der Bevölkerungsanteil der Senioren über 75 liegt im Landkreis Kulmbach mit 8,8 Prozent um mehr als ein Prozentpunkt über dem bayerischen Durchschnitt. Die Überalterung der Bevölkerung im Landkreis Kulmbach setzt sich fort. Zu beachten ist, dass die Anteile der Bevölkerung im Landkreis Kulmbach unter 18 Jahren (18,8 Prozent) und der Bevölkerung über 65 Jahren (18,5 Prozent) sich momentan noch die Waage halten. Es gilt jedoch zu betonen, dass bereits jetzt nur durch Zuzug (meist aus den neuen Bundesländern) die auseinandergehende Schere zwischen Geburten und Todesfällen (knapp 200) ausgeglichen wird.

 

 

1.2 Die Pfarrgemeinden im Dekanat Kulmbach

 

1.2.1 Struktur und Gottesdienstformen

 

Die 20.500 Katholiken im katholischen Dekanat Kulmbach leben in 9 Pfarreien, 3 Kuratien und 4 Filialgemeinden (laut Schematismus 2004).

 

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Bei der Dekanatsanalyse wurden insgesamt 285 Städte, Märkte, Dörfer, Weiler und Einöden erfasst (ohne Marktleugast-Marienweiher). Diese gestreute Siedlungsstruktur – übrigens weist die Kreisstadt Kulmbach mit seinen vielen, erst nach dem 2. Weltkrieg entstandenen Siedlungen, selbst eine solche Streuung auf -, setzt eigentlich bereits heute schon voraus, dass viele Menschen, die einen Gottesdienst besuchen wollen, mobil und flexibel sein müssen, also lange Wege haben. Als zentrale und verdichtete Gebiete können allenfalls die Ortskerne angesehen werden, die um die Pfarrkirchen herum liegen.

 

Anhand der Einheitsgemeinde Presseck bzw. der Pfarrei Wartenfels und der Kuratie Presseck lässt sich diese gestreute Siedlungsstruktur und die daraus folgenden Konsequenzen aufzeigen. Auf einer Fläche von 5213 ha (52 qkm) verteilen sich die Marktgemeinde Presseck, 16 Dörfer, 7 Weiler und 22 Einöden, insgesamt 46 Ortsteile. Dazu kommen noch Gemeindeteile aus dem früheren Stadtsteinacher Landkreis, die heute zum Landkreis Kronach gehörenden Gemeindeteile von Marktrodach und Weißenbrunn sowie Stadt- und Gemeindeteile von Stadtsteinach und Rugendorf.

 

Probleme in den Pfarreien bereiten die derzeit düsteren Zukunftsaussichten für die Jugendlichen, die in Heimatnähe oft keine Lehrstelle bekommen. Kinder, die auf weiterführende Schulen gehen, müssen oft lange Wege in Kauf nehmen und diese wandern nach dem Abitur oft ganz aus der Gegend ab. Es werden für Jugendliche in den einzelnen Gemeinden zwar Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung angeboten, offene Treffs für Jugendliche in den Räumen ihres Pfarrheimes/Pfarrzentrums fehlen aber mit geringen Ausnahmen.

 

Die Verbindung von Pfarrei und Pfarrgemeinde entsteht bei Gottesdiensten und Festen. Kinder- und Familiengottesdienste werden hier als besonders enger Kontakt gewertet. Ebenfalls sind die Feste und Feiern ein wichtiges Element im Pfarreileben, und hier spielen wiederum Feste in und um den Kindergarten (z.B. Martinsumzug) oder die Zusammenkunft mit Eltern (Kirchweih) eine bedeutsame Rolle.

 

Fast jede Pfarrei bzw. Seelsorgestelle verfügt über eigene Räumlichkeiten für Treffen von Pfarreigruppen oder Jugendgruppen. An Räumen fehlt es nicht.

 

Das Dekanat Kulmbach ist von seiner inneren Struktur her sehr unterschiedlich. Die 20.500 Katholiken leben zum einen in der Stadt Kulmbach, zum anderen in einem mehr ländlich geprägten Gebiet. Überwiegend katholische Gemeinden wechseln sich mit Diasporagemeinden ab.

 

Dadurch unterscheiden sich die Gottesdienstformen in den Gemeinden. Neben der Messfeier gibt es viele traditionelle Gottesdienstformen wie Maiandachten, Kreuzwegandachten und Rosenkranzandachten. Dazu bereichern auf dem Land Bittgänge und Flurprozessionen die Gottesdienstvielfalt.

 

Das Angebot an Sonntagsmessen ist sehr vielfältig. In fast allen Gemeinden wird an jedem Sonntag mindestens eine Messe gefeiert. Vorabendmessen gibt es in Kulmbach (Unsere Liebe Frau), Stadtsteinach, Hohenberg, Kupferberg, Marktschorgast, Marktleugast und Stammbach. Alle zwei Wochen gibt es eine Vorabendmesse in Mainleus. Die Gemeinden Presseck und Reichenbach sowie die Gemeinden Motschenbach, Neudrossenfeld und Thurnau wechseln sich ab. Am Sonntagabend wird in Kulmbach, St. Hedwig eine Sonntagabendmesse angeboten.

 

1.2.2 Seelsorge

 

Im Dekanat Kulmbach arbeiten in der Pfarrseelsorge  8 Pfarrer bzw. Administratoren, 2 Kapläne, 2 Pastoralreferenten (zusammen 1 Stelle), 1 Gemeindereferent und 1 Diakon.

 

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Die Pfarrer und die pastoralen Mitarbeiter sind in der Regel für zwei Gemeinden  zuständig (Stand April 2005). Die Zusammenarbeit dieser Gemeinden gelingt gut, z. B. bei gemeinsamen Sakramentsvorbereitungen. In fast allen Gemeinden wirken viele Wortgottesdienstbeauftragte mit und gestalten Wortgottesfeiern.

 

Kirchenferne und Urlauber werden in den Gemeinden unterschiedlich angesprochen. In Gemeinden, bei denen der Tourismus wichtig ist, liegt in den Pensionen und Hotels am Ort ein Pfarrbrief auf. Die Pfarrbriefe werden in fast allen Gemeinden an alle katholischen Haushalte verteilt und damit ist zumindest zwei bis drei Mal im Jahr auch bei Kirchenfernen die katholische Pfarrgemeinde präsent. 3 Gemeinden (Stadtsteinach, Wartenfels und Unsere Liebe Frau in Kulmbach) sind mit einer Seite im Internet vertreten.

 

Ein Problem haben im Grunde alle Gemeinden bei der Begrüßung von Neuzugezogenen. Die verfügbaren Daten sind meist schon überholt, wenn die Pfarrgemeinden sie erhalten. In einigen politischen Gemeinden werden die Pfarrgemeinden direkt über den Zuzug von Katholiken informiert. In Thurnau liegen im Rathaus Begrüßungsbriefe aus.

 

In der Erwachsenenbildung bieten die Pfarrgemeinden zahlreiche Veranstaltungen an, teils in Vereinen und Gruppierungen, teils in der Gesamtpfarrei und auch in Gemeinsamkeit mit Nachbar- und Filialgemeinden.

 

Die Verbindungen zur Weltkirche sind in einigen Pfarrgemeinden sehr ausgeprägt mit Patenschaftsgemeinden in der Dritten Welt aber auch in den östlichen europäischen Staaten. Waren aus dem Fairen Handel werden mindestens einmal im Jahr in der Gemeinde zum Kauf angeboten. Daneben richten einige Pfarrgemeinden ihre Feste ausschließlich mit Kaffee und Tee aus dem fairen Handel aus.

 

Im sozial-karitativen Bereich unterhalten fast alle Gemeinden mehr oder weniger ausgeprägte Besuchsdienste, die alle von Ehrenamtlichen ausgefüllt werden.

 

 

 

1.2.3 Ehrenamtliches Engagement

 

In den Pfarrgemeinden gibt es ein vielfältiges Engagement von Ehrenamtlichen in vielfältigen Bereichen.

Alle Gemeinden profitieren auch von dem Engagement der Kommunionhelfer. Insgesamt haben wir im Dekanat 119 davon. Bei den absoluten Zahlen ragen Stadtsteinach mit 18, sowie St. Hedwig mit 16 und Unsere Liebe Frau mit 12 Kommunionhelfern heraus. Aber auch die Zahlen für Ludwigschorgast und Marienweiher (jeweils 10) sind beachtlich.

 

Nur in Untersteinach gibt es eine strikte Trennung von Lektoren- und Kommunionhelferdienst. In anderen Gemeinden überschneiden sich die Personengruppen zumindest teilweise.

 

Viele Ehrenamtliche sind weiterhin engagiert z.B. bei Besuchsdiensten im sozial-caritativen Bereich, beim Unterhalt der gemeindeeigenen Bücherei, bei Caritas-Haussammlungen, manchmal auch bei der Instandhaltung und Pflege der Kirchen und kirchlicher Einrichtungen.

 


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1.2.4 Sakramentenvorbereitung

 

Die Sakramentenvorbereitung wie Erstkommunion und Firmung wird von den hauptamtlichen Seelsorgern in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen geleistet. In den meisten Gemeinden sind die Eltern in die Vorbereitung der Kinder auf die Erstkommunion mit einbezogen.

 

In den letzten fünf Jahren gingen im Dekanat insgesamt 1090 Kinder zu Erstkommunion. Das macht im Schnitt 218 Kinder pro Jahr.

 

Die Kursdauer schwankt zwischen 3- 4 Monaten und etwa 6 Monaten.

 

Im Dekanat Kulmbach werden Jugendliche allgemein ab der 6. Klasse zum Sakrament der Firmung geführt. Nur in Kupferberg (mit Guttenberg) werden die Klassenstufen 5, 6 und 7 gefirmt. Sieben Gemeinden fassen zwei Jahrgangsstufen (6. und 7. Klasse) und sechs Gemeinden drei Jahrgangsstufen (6. bis 8. Klasse) zusammen.

 

Die Dauer der Vorbereitungszeit der Jugendlichen auf das Firmsakrament ist durchaus unterschiedlich. Wo manchmal 3- 4 Monate (z.B. Neuenmarkt, Ludwigschorgast, Guttenberg) genügen, werden in anderen Gemeinden Vorbereitungszeiten bis zu einem Schuljahr angesetzt (z.B. in Mainleus, sowie ähnlich in den anderen Kulmbacher Gemeinden).

 

Insgesamt dürfte das Bild gerade bei der Vorbereitung sehr bunt und vielgestaltig sein. Von einem nur annähernd gemeinsamen Konzept im Dekanat sind die Gemeinden weit entfernt. Doch lassen sich in benachbarten Gemeinden oft ähnliche Vorbereitungszeiten entdecken. Ob das auch für die Inhalte gilt, bleibt abzuklären. Hier sehen wir in Zukunft Möglichkeiten der engeren Zusammenarbeit.

 

1.2.5 Messner

 

Gut die Hälfte aller Gemeinden hat einen Messner, der für seine Arbeit entlohnt wird. Dabei beträgt die wöchentliche Arbeitszeit aber nicht mehr als 23 Stunden, meist liegt sie noch deutlich darunter: Bis fünf Stunden arbeiten die Messner in Untersteinach, Thurnau, Motschenbach, Gefrees, Ludwigschorgast und Marienweiher. Knapp darüber (sechs oder sieben Stunden) liegen Wartenfels und Presseck. Lediglich in drei Gemeinden ist der Arbeitsumfang deutlich erhöht, nämlich in Stadtsteinach, in St. Hedwig und Unsere Liebe Frau (beide Kulmbach). In diesen Fällen beträgt die Arbeitszeit jeweils ca. 22 Stunden. Fünf Gemeinden kommen ohne einen hauptamtlichen Messner aus (Guttenberg, Neuenmarkt, Mainleus, Marktleugast und Marktschorgast).

 

1.2.6 Kirchenmusiker

 

Die Kirchenmusik wird in den Gemeinden von einem hauptamtlichen Organisten (Kulmbach, Unsere Liebe Frau) und 35 nebenamtlichen Organisten gestaltet. Der hauptamtliche Organist in Kulmbach bietet im gesamten Dekanat Orgelunterricht an. Das Durchschnittsalter der Organisten beträgt 48 Jahre. Viele Chöre im Dekanat bereichern die Gottesdienste mit ihrer Kunst. In 12 Pfarrgemeinden gibt es einen (traditionellen) Kirchenchor. 3 Scholas, 2 Kinderchöre und ein Familienchor runden das Angebot ab. In vier Gemeinden wirkt auch eine Jugendband regelmäßig mit, während in vier anderen Gemeinden die Jugendbands sich spontan zu bestimmten Gottesdiensten zusammenfinden.

 


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1.2.7 Schule und Pfarrgemeinde

 

In den ländlichen Gebieten gehen die Kinder der Klassen 1 - 4 teils in örtliche, teils in überörtliche Schulen. Die Kinder aus den Nachbargemeinden des Schulstandortes erhalten oft von Lehrern Religionsunterricht, die nicht in der Gemeinde wohnen und deshalb auch wenig Bezug zur Pfarrgemeinde haben. In nur wenigen Schulen haben staatliche Lehrer die Missio Canonica und geben auch Religionsunterricht. Der Anteil der Religionslehrer im Kirchendienst beträgt 82 Prozent. 24 Prozent aller an Volksschulen unterrichteten Kinder sind katholisch und erhalten an ihren Schulen katholischen Religionsunterricht.

 

Die Schule soll, so sehen es viele Gemeinden, die Kontaktstelle zur Pfarrgemeinde sein. Das lässt sich an Schulen, in denen Kinder aus vielen politischen und auch Pfarrgemeinden unterrichtet werden, nur schwer erzielen. In Kulmbach hat z.B. die Pfarrgemeinde Unsere Liebe Frau allein fünf Schulhäuser auf ihrem Gemeindegebiet, so dass ohne persönlichen Einsatz der Religionslehrer kein Kontakt zur Pfarrgemeinde geschaffen werden kann. Durch die vielen im Kirchendienst tätigen Religionslehrer sollte der Kontakt zu den örtlichen Pfarrgemeinden gewährleistet werden. An manchen Schulen unterrichten auch die örtlichen Pfarrer, schwerpunktmäßig in den zweiten und dritten Klassen, um den Kontakt mit den zukünftigen Erstkommunionkindern herzustellen.

 

Die Unterrichtssituation an den verschiedenen Schulen im Dekanat ist zufriedenstellend. Es werden nur in Neudrossenfeld und Kasendorf drei Klassenstufen zum Religionsunterricht zusammengelegt, sonst maximal zwei. Die so erreichten Klassenstärken sind überschaubar. Bei 189 Wochenstunden fallen kaum Stunden aus.

 

1.2.8 Ökumenische Zusammenarbeit in den Gemeinden

 

Die ökumenische Zusammenarbeit ist in den Gemeinden des Dekanates gut verbreitet. In 12 Gemeinden finden ökumenische Gottesdienste und in 8 Gemeinden der Weltgebetstag der Frauen statt. Weit verbreitet sind auch gemeinsame Schulgottesdienste. Dazu kommen noch ökumenische Pfarr- und Jugendgottesdienste, Jugendkreuzwege, Kreuzwegandachten und Taizé-Gebete. Ebenso gibt es im Dekanat gemeinsame Veranstaltungen in der Erwachsenenbildung, gemeinsames Osterfrühstück, Predigertausch,  und ökumenische Zusammenarbeit in den Kindergärten.

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden: Vor allem aus Diasporagemeinden werden viele gemeinsame Aktivitäten gemeldet. Die fruchtbarste Zusammenarbeit findet in den Gemeinden statt, in denen jeweils eine katholische und eine evangelische zusammentreffen und die Harmonie zwischen den Seelsorgern stimmt.

 

1.3 Kirchlich-caritative Einrichtungen

 

1.3.1 Kindergärten

 

Katholische und evangelische Kindergärten befinden sich in aller Regel in Trägerschaft der Pfarr- bzw. Kirchengemeinden. Die kirchlichen Träger decken 80 Prozent des Leistungsangebotes ab. Eine Sonderstellung im Dekanat hat die Arbeiterwohlfahrt Kulmbach mit 10 Prozent, während freie und kommunale Träger zusammen nur einen Anteil von 10 Prozent beitragen. Das zeigt, dass die kirchlichen Träger für die Kommunen sehr hilfreiche Dienste leisten.

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Insgesamt gibt es im Dekanat Kulmbach 42 Kindergärten, 8 davon, das sind 19 Prozent sind in katholischer Trägerschaft. Auch beim Gruppenangebot von 19 Gruppen bei insgesamt 99 Landkreisgruppen liegen die katholischen Träger bei 19 Prozent und werden damit, an ihrem Gesamtanteil an der Bevölkerung gemessen, ihrer Verantwortung an den Kinderbetreuungsleistungen gerecht. Beim Platzangebot zeigt sich ein ähnliches Bild: Von 2412 Plätzen werden 475 von katholischen Pfarrgemeinden vorgehalten (19,7 Prozent).

 

Zum Einzugsgebiet der Kindergärten lässt sich sagen, dass die Kindergärten in  Wartenfels, Stadtsteinach, Marktleugast, Mainleus und Marktschorgast nur Kinder aus dem Stadt- bzw. dem Gemeindegebiet aufgenommen haben. In Ludwigschorgast stammen drei Kinder außerhalb des Gemeindegebietes, da für zwei Elternteile der Kindergarten auf dem Weg zur Arbeitsstelle liegt bzw. der Untersteinacher Kindergarten an zwei Nachmittagen geschlossen ist. Den Kindergarten St. Hedwig in Kulmbach besuchen Kinder aus der Siedlung und mehrere Kinder aus Forstlahm sowie 1 Kind aus Neuenmarkt (wegen der Arbeitsstelle der Eltern) und 1 Kind aus Krumme Fohre (vorheriger Wohnsitz der Eltern lag in Melkendorf). Der Kindergarten der Pfarrei Unsere Liebe Frau wird überwiegend von Kindern aus der Altstadt besucht und von Kindern, deren Eltern im Zentrum beschäftigt sind. Durch den hohen Ausländeranteil (50 Prozent) bedingt, kann der Kindergarten Unsere Liebe Frau eine Erzieherin zusätzlich beschäftigen; diese Fachkraft hat die Sprachförderung der Ausländerkinder zur speziellen Aufgabe.

 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Wohnortnähe eine entscheidende Rolle für die Wahl des Kindergartens spielt; in vier Fällen gibt der Arbeitsplatz der Eltern den Ausschlag. Konfessionelle Gründe für die Kindergartenwahl sind nach Meinung der befragten Leiterinnen selten ausschlaggebend.

 

Aufgrund der Bedarfsprognose der Jugendhilfeplanung 2004 kann davon ausgegangen werden, dass mittel- bis langfristig kein weiterer Ausbau des Kindergartenbereiches notwendig ist. Es sind bei den katholischen Trägern gezielte Überlegungen anzustellen, wie in den nächsten 10 Jahren ein sich abzeichnender Überhang an Kindergartenplätzen sinnvoll genutzt werden kann, da sich ein kurzfristiger Rückgang der drei- bis sechsjährigen Kinder ergibt. Eine Schließung von Kindergärten bzw. von Kindergartengruppen wird maßgeblich davon abhängig sein, inwieweit freiwerdende Kapazitäten durch die verstärkte Aufnahme von Schul- und Krippenkindern kompensiert werden kann. Die Umfrage unter den katholischen Kindergärten zeigt auch, dass eine kleinräumige Bedarfsprognose angestellt werden muss, da der Kindergarten stark verortet ist. Ein Verbund der katholischen Kindergartenträger erscheint vor diesem Hintergrund für die beiden Kindergärten in Kulmbach und für den Bereich Stadtsteinach-Wartenfels sehr sinnvoll. Nach der Bedarfsprognose wird auch in den Gemeinden Presseck-Wartenfels und Marktschorgast nach einem kurzen Einbruch der jetzige Bestand an Kindergartenplätzen notwendig sein.

 

1.3.2 Kinderhorte

 

Im Dekanat gibt es 5 Kinderhorte mit 7 Gruppen und einem Angebot von 164 Plätzen, die gut ausgelastet sind. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt 3 Horte und die evangelische Kirchengemeinde Presseck 1 Hort.

 

In einem für Bayern einzigartigen Trägerverbund betreibt der Caritasverband Kulmbach gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Kulmbach / Geschwister-Gummi-Stiftung einen dreigruppigen Kinderhort mit 66 Plätzen. Das Platzangebot ist sehr gut ausgelastet (Überbelegung von 106 Prozent) und die Nachfrage nach weiteren Hortplätzen im Sinne einer Ganztagsbetreuung von schulpflichtigen Kindern wächst. Allerdings bekommen die Kinderhorte zunehmend Konkurrenz von den Ganztagsschulen. Die Betreuung über die Mittagszeit in den Horten zeigt, dass die Mehrzahl der Hortkinder die Betreuung über die Mittagszeit in Anspruch nimmt. Berufstätige sind auf dieses Angebot angewiesen.

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1.4 Die Angebote des Caritasverbandes und der Pfarreien im caritativ-sozialen Bereich

 

Mit seinen etwa 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört der Caritasverband Kulmbach zu einem der größeren Arbeitgeber im Landkreis Kulmbach. Mit einem Einnahmen- und Ausgaben-Volumen in Höhe von 3.903.000 € schließt die Jahresrechnung 2003, 78 Prozent der Ausgaben sind dabei Personalkosten. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 6.527.525 €.

 

1.4.1 Die stationäre Altenhilfe: Das Caritas-Alten- und Pflegeheim St. Marien in Stadtsteinach

 

Mit dem Alten- und Pflegeheim St. Marien in Stadtsteinach trägt der Caritasverband Kulmbach dazu bei, dass die ältere Bevölkerung auf dem Land auch wohnortnah und dezentral versorgt werden kann. Der Caritasverband Kulmbach mit seinem Heim in Stadtsteinach bietet 78 Plätze von insgesamt 777 an, das sind 10 Prozent des Platzangebotes im Dekanat.

 

Es wird davon ausgegangen, dass 5 Bewohner des Caritas-Alten- und Pflegeheimes St. Marien explizit den Heimplatz gewählt haben, weil hier die Einrichtung von einem katholischen Träger geführt und diese konfessionelle Heimat gesucht wird. Die Wahl des Heimplatzes erfolgt nach den Erfahrungen des Caritasverbandes hauptsächlich unter dem Aspekt der Wohnortnähe, damit die Wege für den Angehörigenbesuch nicht zu weit sind. Zunehmend spielt und wird verstärkt der Kostenaspekt eine wichtige Rolle spielen. Die Höhe der Heimkosten, die in den Pflegestufen 1-3 eine Zuzahlung von 1.000 – 1.400 € erforderlich macht, ist für viele ältere Menschen und ihre Angehörigen eine finanziell starke Belastung.

 

1.4.2 Die seelsorgerische Betreuung der Heime durch die katholischen Pfarreien

 

In Stadtsteinach wird die professionelle Hilfe der hauptamtlichen Seelsorger begleitet und unterstützt durch den ehrenamtlichen Besuchsdienst der Pfarrgemeinde. Die Gottesdienste bzw. Andachten in der heimeigenen Kapelle werden durch evangelische und katholische Pfarrer sowie durch Ehrenamtliche gewährleistet.

 

Auch die seelsorgerische Betreuung der Heime anderer Wohlfahrtsverbände in Stadt und Landkreis durch die katholischen Pfarrgemeinden ist beispielhaft. Mindestens einmal im Monat findet in den Heimen ein katholischer Gottesdienst statt. Geburtstagsbesuche und Besuche vor kirchlichen Hochfesten finden durch Pfarrer bzw. Besuchsteams der Pfarrgemeinden statt. Für die Pfarrei St. Hedwig gestaltet sich die Betreuung am schwierigsten: Im Pfarrsprengel der Pfarrei befinden sich allein 4 Heime, der Pfarrer ist dabei auf sein gutes und großes Team von ehrenamtlichen Helfern dringend angewiesen. Die Bewohner und auch die Heimträger sind für diese seelsorgerische Betreuung sehr aufgeschlossen.

 

1.4.3 Die ambulante Altenhilfe: Caritas – Sozialstationen

 

Im Bereich der ambulanten Alten- und Gesundheitshilfe bieten die Wohlfahrtsverbände das größte Angebot; nur vereinzelt können sich private Anbieter auf dem Markt halten (derzeit gibt es 6 private Anbieter). Insgesamt 9 Sozialstationen sind im Dekanat tätig, aufgrund der Einrichtungsstruktur bei den evangelischen Trägerschaften werden 6 Stationen von lokalen Diakonievereinen getragen. Die 4 mitarbeiterstärksten Stationen befinden sind in Trägerschaft von BRK, Arbeiterwohlfahrt, Diakonischem Werk und Caritasverband Kulmbach.

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Der Caritasverband ist im Kulmbacher Landkreis mit einer zentralen Verwaltungsstation in Stadtsteinach und in Kulmbach und Marktleugast mit zwei Filialstationen vertreten. Täglich werden von der Station ca. 130 Patienten versorgt. Die Einsatzgebiete der Pflegekräfte erstrecken sich auf Stadtsteinach-Rugendorf und Umgebung, Wartenfels-Presseck, Marktleugast / Marienweiher- Hohenberg, Kupferberg – Guttenberg, Untersteinach-Ludwigschorgast, und auf das Stadtgebiet Kulmbach mit Mainleus beschränkt. Damit ist ein effektiver Einsatz des Pflegepersonals möglich. Die Grenzgebiete im Bereich Marktschorgast-Gefrees und im Einzugsgebiet Kirchleus werden durch Bad-Berneck bzw. Weißenbrunn versorgt.

 

Eine Sondersituation gibt es durch den Johannes-Zweig-Verein in Marktleugast. Durch einen Korporationsvertrag mit dem Caritasverband Kulmbach verbunden, war bis 1990 eine Krankenschwester der Franziskus-Schwestern von Vierzehnheiligen in Marktleugast für die ambulante Pflege abgestellt. Seitdem übernehmen die Caritas-Schwestern in alleiniger Verantwortung die Betreuung und Versorgung von Pflegebedürftigen in diesem Raum. Der Johannes-Zweig-Verein unterstützt die Sozialstation Stadtsteinach mit Mitgliedsbeiträgen.

 

1.4.4 Die sozialen Beratungsdienste des Caritasverbandes Kulmbach

 

Die Caritas-Geschäftsstelle mit der Verwaltung und die Sozialberatungsstelle mit der Kur- und Erholungsfürsorge sind vollständig auf die Bezuschussung durch Kirchensteuermittel angewiesen. Alle weiteren Beratungsdienste erhalten Betriebs- und Mietkostenzuschüsse durch das Erzbischöfliche Ordinariat. Ab 2006 wird das Finanzbudget des Caritasverbandes an das Kirchensteueraufkommen angepasst, so dass bei einem weiteren, zu erwartenden Rückgang der Kirchensteuermittel es eine Herausforderung für den Kulmbacher Caritasverband sein wird, den Bestand der bestehenden Einrichtungen und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu sichern. Auch von staatlicher Seite ist bei der Finanzierung der Dienste keine Entlastung zu erwarten.

 

1.4.4.1 Die Soziale Beratungsstelle des Caritasverbandes mit Kur und Erholung

Eine Anlaufstelle für viele Sorgen und Nöte ist die Soziale Beratungsstelle mit Kur- und Erholungsfürsorge des Caritasverbandes Kulmbach, die ausschließlich aus katholischen Kirchensteuermitteln getragen wird. Drohender Wohnungsverlust, Überschuldung, Obdachlosigkeit oder nur Amtshilfe sind wichtige existenzielle Hilfen dieser Beratungsstelle. Auch die Kur- und Erholungsfürsorge als traditionelles Angebot der kirchlichen Sozialarbeit ist nach wie vor für Familien, Kinder, Mütter mit Kindern und Senioren gefragt. Von den Wohlfahrtsverbänden im Landkreis Kulmbach weist nur noch das Diakonische Werk Kulmbach ein ähnliches Beratungsangebot aus. Zusätzlich erhält der Caritasverband Hilfe durch die Schuldnerberatung der Caritas Bayreuth. 1 x in der Woche ist der Schuldnerberater vor Ort. Die Nachfrage nach dieser Beratung kann nur über Warteliste geregelt werden.

 

1.4.4.2 Der Betreuungsverein des Caritasverbandes Kulmbach

Bereits seit 1990 ist der Caritasverband anerkannter Betreuungsverein, der Vormundschaften und Betreuungen (vormals Vormundschaften und Pflegschaften) durchführt. Zurzeit führt der Caritasverband 20 Betreuungen und begleitet und berät ehrenamtliche Betreuer bei ihrer Tätigkeit bzw. führt Informationsveranstaltungen rund um das Thema „Betreuungen und Betreuungsgesetz“ durch. Diese Querschnittsarbeit geschieht in einer Arbeitsgemeinschaft der Kulmbacher Wohlfahrtsverbände.

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1.4.4.3 Die Migrationsberatung des Caritasverbandes

Im Bereich der Migrationsberatung, das sind die Beratungsstellen für Asylbewerber und für Aussiedler, ist der Caritasverband Kulmbach der alleinige Anbieter im Landkreis Kulmbach. Allerdings sind diese Beratungsstellen in hohem Maße von Zuschüssen aus der katholischen Kirchensteuer abhängig, da sich der Staat, sowohl der Bund als auch das Land Bayern, von Jahr zu Jahr stärker aus der Förderung zurückziehen. Gleichwohl ist für die betroffenen Personenkreise der Caritasverband die einzige unabhängige Anlaufstelle im Dekanat. Im Asylbereich werden Asylbewerber zusätzlich durch einen Rechtsanwalt des Caritasverbandes unterstützt.

 

Die Beratungsstelle für Aussiedler des Caritasverbandes Kulmbach e.V. berät, betreut und begleitet Personen, die im Wege des Aufnahmeverfahrens nach dem Bundes-Vertriebenen-Folgegesetzes (BVFG) mit ihren Familienangehörigen ihre Herkunftsländer verlassen haben und Aufnahme in der Bundesrepublik Deutschland gefunden haben. Nach dem BVFG können bei diesem Personenkreis die Nationalität sowie der rechtliche Aufenthaltsstatus verschieden sein.

 

1.4.4.4 Die ambulanten Jugendhilfe-Maßnahmen

Ein Bereich der Jugendhilfe, der in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert eingenommen hat, ist der der ambulanten Hilfemaßnahmen wie die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) oder die Erziehungsbeistandschaften. Um die Erziehungsfähigkeiten der Eltern zu stärken, werden sozialpädagogische Fachkräfte gezielt in Familien eingesetzt. Der Caritasverband Kulmbach beschäftigt zwei Sozialpädagoginnen in diesem Einsatzbereich. Eine weitere Maßnahme ist die Arbeit bzw. Trainingsmaßnahme für straffällige Jugendliche. Jugendliche Straftäter mit Bagatelldelikten und Ersttäter werden auf Weisung des Jugendgerichtes dieser Maßnahme zugeführt.

 

1.4.5 Die offene Altenarbeit: Seniorenkreise und –clubs sowie Freizeitgruppen

 

Der Seniorenratgeber des Landkreises Kulmbach listet insgesamt 61 Seniorengruppen auf, die sich regelmäßig treffen, davon sind 11 Angebote von katholischen Pfarreien (25 ev. Kirchengemeinden, 12 AWO, 5 BRK und 8 kommunale und freie Angebote). Von nachstehenden Pfarrgemeinden werden regelmäßige Treffen organisiert:

Geselliger Kreis in der Pfarrei St. Hedwig, Kulmbach

Freizeitkreis in der Pfarrei St. Hedwig, Kulmbach

Seniorennachmittage der kath. Kirchengemeinde Motschenbach

Seniorentreff der Pfarrei Unsere Liebe Frau, Kulmbach

Seniorennachmittage der kath. Kirchengemeinde Mainleus

Kath. Frauenkreis St. Vitus, Kupferberg

Altennachmittage der kath. Pfarrei Ludwigschorgast

Seniorennachmittage der kath. Kirchengemeinde Marktleugast / Marienweiher

Seniorenkreis der kath. Pfarrei Marktschorgast

Seniorenclub der kath. Kuratie Presseck

Michaelskreis der Pfarrei Stadtsteinach

Seniorennachmittage in der Filialgemeinde Untersteinach

Seniorennachmittage in der Kuratie Hohenberg

Seniorentreffen in der Filialgemeinde Thurnau

Seniorenclub der kath. Pfarrgemeinde Wartenfels

 

1.4.6 Behindertengruppen

 

In der Pfarrei Marktleugast gibt es alle zwei Monate einen Nachmittag mit behinderten Menschen. Ansonsten geschieht die Behindertenseelsorge im Dekanat nur sehr vereinzelt.

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1.5 Jugendarbeit

 

Die meisten Pfarreien, in denen Jugendarbeit läuft, haben Interesse an überörtlicher Jugendarbeit.

 

Der Einbezug von Pfarrsprengeln in die Jugendarbeit (durch eigene Angebote oder Pendeln) erweist sich als sehr schwierig bzw. ungenügend ausgebaut. Dies kann möglicherweise auf die Diasporasituation zurückgeführt werden.

 

Ein Problem vor allem der Oberlandgemeinden ist die Tatsache, dass Jugendliche oft weite und zeitraubende Wege zur Schule haben. Dies gilt im besonderen Maße für diejenigen, die weiterführende Schulen in Kulmbach besuchen. Angebote von Gruppenstunden am Nachmittag können deshalb von ihnen kaum genutzt werden, bzw. sind die „Belastungen“ durch Schulweg und anschließende Hausaufgaben zu hoch. Das spielt sogar in der Vorbereitung auf die Firmung eine Rolle. Diese ist sinnvollerweise nur mehr am Wochenende möglich.

 

1.5.1 Jugendarbeit in den Pfarreien

 

1.5.1.1 Ministrantengruppen

Die Pfarreien erreichen mit ihren Angeboten außerhalb des normalen Messdienstes im Durchschnitt etwa 281 Ministranten und Ministrantinnen. In den meisten Pfarreien existiert eine regelmäßige Ministrantengruppe in Form von monatlichen Angeboten, die etwa 180 Kinder erreicht. In Untersteinach und Kupferberg treffen sich insgesamt 19 Ministrantinnen und Ministranten wöchentlich, in Marienweiher 17 Ministranten 14-tägig. In Marktschorgast, Gefrees und Ludwigschorgast gibt es derzeit keine Gruppen, in Presseck und Stadtsteinach existiert jeweils eine gemischte Gruppe aus Ministrantinnen/Ministranten und anderen Jugendlichen. Ergänzend dazu oder als Ersatz bieten manche Pfarreien sporadische Aktionen und Ausflüge an.

Auf die Frage, was in der Jugendarbeit in der Pfarrei gut läuft, wird auffallend häufig die Ministrantenarbeit genannt.

 

1.5.1.2 Kinder- und Jugendgruppen

Regelmäßige wöchentliche, vierzehntätige oder monatliche Kinder- und Jugendgruppen finden in Marktschorgast, Neuenmarkt,  Ludwigschorgast und Presseck (nur Kleinkinder), Kulmbach St. Hedwig, Neudrossenfeld und Marienweiher statt.

An diesen Angeboten nehmen etwa 63 Kleinkinder unter 6 Jahren teil: 38 an wöchentlichen oder vierzehntätigen und 25 an monatlichen Veranstaltungen.  Angebote für 6-12-jährige werden von etwa 104 Teilnehmern genutzt: davon besuchen 57 Kinder wöchentliche Gruppenstunden, 20 Kinder 14-tägige und 27 Kinder monatliche Angebote. Insgesamt 82 Jugendliche ab 12 Jahren nutzen Angebote der Pfarreien: davon 33 wöchentlich, 20 14-tägig, 14 monatlich und 15 sporadische Angebote.

In der Pfarrei Marktleugast gibt es eine Jugendband mit 10 Musikern, die wöchentlich proben und seit kurzem einen Kinderchor mit 7 Kindern, ebenfalls wöchentlich. Die Jugendband in Stadtsteinach (15 Jugendliche) trifft sich jeweils einige Wochen vor ihren Auftritten, dann auch bis zu zweimal wöchentlich.

Im Dekanat Kulmbach nehmen somit insgesamt 139 Kinder und Jugendliche an wöchentlichen Angeboten der Pfarreien und 547 Kinder und Jugendliche insgesamt an Aktionen der Pfarreien teil.

Bei den Zahlen muss allerdings beachtet werden, dass hier die durchschnittliche Anzahl der Teilnehmern erfasst wurde und nicht die Anzahl der betreuten Kinder insgesamt. Diese Zahl würde um einiges höher liegen, da nicht immer exakt die gleichen Kinder an Angeboten teilnehmen. 

Des weiteren trifft die Aufteilung der Angebote in Kinder unter 12 und Jugendliche ab 12 Jahren nicht immer zu, gerade in kleineren Ortschaften oder Pfarreien mit wenig Kindern und Jugendlichen ist die Altersspanne der Teilnehmern sehr groß, so zum Beispiel in Presseck. Hier gibt es sporadische Angebote für 5 bis 15-jährige.

In einigen Pfarreien gibt es Angebote der politischen Gemeinde als offene Jugendtreffs (z.B. Ludwigschorgast, Neudrossenfeld).

 

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1.5.1.3 Personelle Situation

Betreut wird die Jugendarbeit in unserem Dekanat von hauptamtlicher Seite aus von Pastoralreferenten (PR), Gemeindereferenten (GR) und Kaplänen. Des Weiteren arbeiten Religionspädagoginnen mit. Auch ein Pfarrsekretär ist mit dem Bereich der Ministrantenarbeit befasst (in der Pfarrei Unsere Liebe Frau).

 

Der Rückgang des hauptberuflichen pastoralen Personals spiegelt sich auch in der Befragung wider: So antworten insgesamt 8 Pfarreien/ Filialgemeinden auf die Frage, was ihnen in der Jugendarbeit fehlt: „passendes Personal, Betreuer, Fachleute für die Jugendarbeit, Gruppenleiter“.

 

Neben dem Mangel an hauptberuflichen Mitarbeitern wird aber auch das Fehlen von ehrenamtlichen Helfern genannt. Der hohe Anspruch, dem sich Verantwortliche in der Jugendarbeit stellen müssen, trägt dazu sicher bei.

 

1.5.1.4 Räumlichkeiten

Allgemein sind Räume für die Kinder- und Jugendarbeit vorhanden. Auffällig ist aber, dass es kaum Pfarreien gibt, in denen Jugendliche über eigene Räume verfügen, die sie unter gewissen Rahmenbedingungen selbst verwalten und gestalten können: nur in Mainleus, St. Hedwig, Marktschorgast („zum größten Teil“), Neuenmarkt und Stadtsteinach ist dies möglich.

Motschenbach und Gefrees hätten Räumlichkeiten, allerdings derzeit keine Jugendarbeit.

Auffällig in Kulmbach ist: Die Jugendräume in St. Hedwig werden als Ort angegeben, wo Jugendliche sowohl aus der eigenen Pfarrei als auch aus der Nachbarpfarrei Unsere Liebe Frau ihre Freizeit verbringen.

 

1.5.2 Jugendarbeit auf Dekanatsebene – überörtliche Jugend­arbeit

 

1.5.2.1 Dienststelle, Personal, Ehrenamtliche

Die Büroräume der Dekanatsstelle Kulmbach des Jugendamts der Erzdiözese und die BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) Dekanatsstelle befinden sich im Haus der kirchlichen Dienste in der Bauergasse 5 in Kulmbach. Hier stehen drei Büros sowie ein kleiner Gruppenraum, das so genannte Jugendzimmer zur Verfügung. Im Haus können zwei weitere Gruppenräume bei Bedarf mitbenutzt werden.

Hier arbeiten ein Bildungsreferent, mit 38,5 Std. und eine Verwaltungskraft, mit 12,83 Std. Die im Stellenplan vorgesehene halbe Stelle eines/r Pastoralreferenten/-referentin für die Jugendarbeit ist vakant. Ebenfalls vakant ist das Wahlamt eines Dekanatsjugendseelsorgers. Dieser soll aus den Reihen der Theologen im Dekanat kommen und wird von der BDKJ-Dekanatsversammlung für zwei Jahre gewählt.

 

Zahlreiche Angebote des Jahresprogramms werden in Zusammenarbeit mit weiteren Ehrenamtlichen, zum Großteil Jugendliche oder junge Erwachsene, vorbereitet und durchgeführt. Dies sind im Jahr 2004 etwa weitere 20 Ehrenamtliche. Auch Pastoralreferenten, Gemeindereferenten und Religionspädagogen unterstützen durch ihre Mitarbeit die Angebote der Dekanatsstelle. So konnten 2004 für fast alle religiösen Veranstaltungen Hauptamtliche gewonnen werden, so dass der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen vor Ort gewährleistet werden kann und das Fehlen der theologischen Mitarbeiter zumindest ein Stück weit aufgefangen werden kann.

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1.5.2.2 Jahresprogramm

Das Jahresprogramm von BDKJ und Jugendamt setzt sich aus unterschiedlichen Aktionen für Kinder und Jugendliche zusammen:

Das geht von der Ausbildung von Kinder- und Jugendgruppen-Leiterinnen und –Leitern über verschiedene Angebote für (religiöse und erfahrungsbezogene) Wochenenden und Fahrten bis zu Dekanatsjugendgottesdiensten. Darunter fallen auch spezielle Angebote für Ministranten.

 

1.5.2.3 Unterstützung der Jugendverbandsarbeit

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt  ist die Unterstützung von verbandlicher Jugendarbeit.

Im Dekanat Kulmbach gibt es derzeit zwei aktive Verbände:

Die KJG (Katholische Junge Gemeinde) und die KLJB (Katholische Landjugendbewegung)

 

Die KLJB hat sich im Kulmbacher Oberland als sogenannte KLJB-Oberland-AG (Arbeitsgemeinschaft) zusammengeschlossen mit einem eigenen Jahresprogramm für Kinder und Jugendliche.

Die Begleitung und Unterstützung der KLJB-Oberland-AG ist somit eine weitere Aufgabe von BDKJ und Jugendamt.

 

Auch die Mitarbeit beim Aufbau sowie die Förderung bestehender Verbandsgruppen vor Ort, z.B. durch Vorstellen der Verbände in Verantwortlichenrunden und Jugendgruppen und Praxisbegleitung sind weitere Arbeitsinhalte.

 

Die Ortsgruppen der Verbände haben Stimmrecht auf den zwei Mal jährlich stattfindenden BDKJ-Dekanatsversammlungen. Diese Versammlung wählt die ehrenamtlichen BDKJ-Dekanatsvorsitzenden und den Dekanatsjugendseelsorger.

 

1.5.2.4 Unterstützung von Pfarreien

Die Angebote von BDKJ und Jugendamt als auch die Aktionen der KLJB-Oberland-AG verstehen sich als Unterstützung und Ergänzung der Jugendarbeit vor Ort. Neben diesen Veranstaltungen ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der Kontakt zu den Pfarreien und die Unterstützung der Jugendarbeit vor Ort. Dieser wird im Jahr 2004 intensiviert.

Die Ziele sind je nach Pfarrei unterschiedlich: etwa der Aufbau von Angeboten für Kinder und Jugendliche, die Qualifizierung und Unterstützung von Ehrenamtlichen, der Aufbau von Jugendverbandsarbeit oder eine bessere Vernetzung und Kooperation zwischen Dekanats- und Pfarrjugendarbeit.

Die Arbeitsform ist je nach Pfarrei sehr unterschiedlich: der Besuch und das Abhalten von Gruppenstunden vor Ort und somit direkter Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen, eine Ideenbörse für Gruppenleiter, Verbandsvorstellung, telefonischer Kontakt, Rat und Infos, Projektarbeit.

 

1.5.2.5 Weitere Angebote

Das Jugendamt versteht sich als Ansprechpartner für alle, die im Dekanat Kulmbach und den Pfarreien mit Jugendarbeit zu tun habe. So gibt es Hilfe und Unterstützung bei Problemen in der Gruppe, bei der Planung von kleineren und größeren Projekten, bei der Suche von Jugendübernachtungshäusern, bei Zuschussanträgen, Beantragung von Jugendleitersonderurlaub usw. Zahlreiche Bücher rund um Jugendarbeit sowie Spiele können ausgeliehen werden. Außerdem verfügt das Jugendamt über einen VW-Bus, der gemietet werden kann sowie Gruppenzelte und Zeltlagerausrüstung.

 

 

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1.6 Kategoriale Seelsorge und Sonderseelsorge

 

1.6.1 Betriebsseelsorge

 

Die Betriebsseelsorge gründet in der Katholischen Sozialbewegung. Die Öffnung der Kirche im 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) und dessen Konkretisierung in der „Würzburger Synode“ (1971-1975) schuf den gemeinsamen Nährboden für die Entfaltung der Betriebsseelsorge als einer am arbeitenden Menschen ausgerichteten Seelsorge.

 

Die Betriebsseelsorge Kulmbach (verantwortlich für den nordöstlichen Teil unserer Diözese) gibt es seit April 1988.

 

Während die Arbeit immer mehr zunimmt und in Anspruch genommen wird, scheint der Kontakt zwischen Pfarrgemeinden und Arbeitswelt auf äußerster Sparflamme zu brennen.

 

Fragen und Probleme der Arbeitswelt kommen im kirchlichen Leben wenig vor. Verschärft wird die grundsätzliche Situation durch die gegenwärtige Entwicklung in der Arbeitswelt. Die derzeitigen massiven Umbrüche (Stichworte: Globalisierung, Leistungsverdichtung, wachsende Mobilitätsanforderungen, Zunahme ungesicherter Beschäftigungsverhältnisse usw.) lösen bei vielen Arbeitnehmern und Arbeitgebern häufig Verunsicherung und nicht selten existentielle Ängste aus. Mobbing droht betrieblicher Alltag zu werden. Die Ansprüche an die Pastoral in der Arbeitswelt sind dadurch qualitativ und quantitativ stark angestiegen.

 

Die Betriebsseelsorge stellt sich ganz bewusst und parteilich auf die Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, und der Erwerbsarbeitslosen. Ihre Hauptansprechpartner sind Arbeitnehmervertreter; dabei kooperiert sie „mit allen Menschen guten Willens“ unabhängig von politischer, weltanschaulicher oder religiöser Überzeugung. Der Maßstab für das Engagement der Betriebsseelsorge lautet: „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“!

 

Die in der Arbeitswelt gewonnenen Erfahrungen sollen auf das kirchliche Leben rückwirken. Kirchliche Gemeinden, die aufmerksam und lebendig sind, spiegeln die gesellschaftliche Realität wider. Die Probleme der Menschen sollen auch die Probleme der Gemeinde sein. Aufgabe der Betriebsseelsorge ist die Vermittlungsarbeit, etwa die Kooperation mit Caritas, KAB und Kolping, die Zusammenführung von Seelsorgern und Seelsorgerinnen mit Arbeitnehmervertretungen.

 

1.6.2 Ökumenische Beratungsstelle für Arbeitslose

 

Die Arbeitslosenzahlen im Landkreis Kulmbach sind mit Blick auf den bayernweiten Vergleich in den letzten 15 Jahren konstant hoch. Mit 14,1 Prozent (5614 Betroffene) lag die Nebenstelle der Arbeitsagentur Kulmbach im Februar 2005 in Bayern unter den 3 „Negativ-Spitzenreitern“.

 

Die Einzelberatung stellt den Hauptteil der Arbeit dar. Die Beratungsstelle hilft den Menschen in allen Fragen, die rund um Arbeitslosigkeit auftauchen. Dazu gehören zum Beispiel die Unterstützung im Bewerbungsverfahren und die Hilfe bei allen Angelegenheiten rund um die Ämter und Sozialleistungen. Genau so bedeutend ist die Begleitung der Menschen durch die schwierige Lebenssituation „Arbeitslosigkeit“. Die Wieder-Entdeckung und die Stabilisierung des Selbstwertgefühls gehen immer einher mit den in der Beratung zu bearbeitenden Sachthemen. Die Zahl der Beratungen lag sowohl im Jahr 2002 als auch 2003 bei mehr als 600. Im Jahre 2004 wurden vor Ort über 700 Beratungen durchgeführt.

 

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Die Angebote der Beratungsstelle an Veranstaltungen sind mittlerweile fast ausschließlich in Form von Veranstaltungsreihen organisiert. Sie richten sich entweder an bestimmte Zielgruppen (Frauen in der Situation des beruflichen Wiedereinstiegs) oder setzen bestimmte thematische Schwerpunkte (Leistungsrecht der Agentur für Arbeit).

 

Die Beratungsstelle macht in der Öffentlichkeit auf die Lebenssituation arbeitsloser Menschen aufmerksam. Sie hört die Sorgen Betroffener, bündelt sie und benennt diese öffentlich.

 

1.6.3 Krankenhausseelsorge

 

1.6.3.1 Klinikum Kulmbach

 

Das Klinikum Kulmbach ist ein Schwerpunktkrankenhaus der 3. Versorgungsstufe nach dem Krankenhausplan des Freistaates Bayern. Träger ist der „Zweckverband Klinikum Kulmbach“ bestehend aus Stadt und Landkreis Kulmbach.  420 Betten verteilen sich auf folgende Abteilungen: Gynäkologie/Geburtshilfe, Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie und innere Medizin.  Es gibt eine interdisziplinär geführte  Intensivstation und (ab Sommer/Herbst 05) eine Palliativstation. Im Lauf eines Jahres werden ca. 18.000 Menschen als Patienten aufgenommen; ungefähr 400 Menschen versterben jährlich.

 

Seelsorge geschieht durch einen Pastoralreferenten (50-Prozent-Stelle); die Spendung der Sakramente geschieht durch die Geistlichen des Dekanates. Auf Grund der Diasporasituation gibt es eine bewährte Kooperation mit der evangelischen Kirche, die für die Krankenhausseelsorge ebenfalls eine halbe Pfarrstelle eingerichtet hat. An Räumlichkeiten stehen den Seelsorgern eine Kapelle und ein Seelsorgeraum gemeinsam zur Verfügung. Gottesdienste finden am Sonntagabend im Wechsel als katholische Wort-Gottes-Feier und evangelischer Gottesdienst statt. Alle Gottesdienste werden in die Krankenzimmer übertragen.

 

Dem Klinikum gegenüber treten die beiden Seelsorger als ökumenisches Seelsorgeteam auf. In jedem Krankenzimmer ist ein Hinweis auf  die Erreichbarkeit der Seelsorger, auf Gottesdienste und Gottesdienstübertragungen. Um eine möglichst klare und angemessene Betreuung der 13 Stationen zu gewährleisten, gibt es eine konzeptionelle Aufteilung, so dass jede Station in einem Seelsorger einen Ansprechpartner hat, der zum Personal Kontakt hält und es für die Möglichkeiten der Seelsorge sensibilisiert. Ein wichtiges Arbeitsfeld ist auch die Seelsorge am Personal.

 

Mit 1 bis 5 Veranstaltungen im Jahr beteiligen sich die Krankenhausseelsorger in der innerbetrieblichen Fortbildung und am berufsethischen Unterricht in der Krankenpflegeschule. Beides hat den wichtigen Nebeneffekt eines guten Kontaktes zum Personal.

 

Seit ca. 2 Jahren werden ungefähr 4-mal im Jahr totgeborene Kinder auf einem anonymen Gräberfeld des Kulmbacher Friedhofs bestattet.

 

1.6.3.2 Fachklinik Stadtsteinach

 

Die Fachklinik Stadtsteinach ist an erster Stelle ein Akut-Krankenhaus nach der Versorgungsstufe 1. Die Hauptabteilungen sind die Innere Medizin, die Chirurgie und geriatrische Rehabilitation. Die Belegabteilungen sind die Urologie und die Phlebologie.

 

Die Fachklinik hat 80 Betten (50 Akutbetten und 30 Betten für die geriatrische Rehabilitation). Sonstige Funktionsbereiche sind Physiotherapie, Kreislauflabor, Radiologie, Labor, Schallwelle, Anästhesie, Endoskopie, Ergotherapie und Logopädie.

 

Die durchschnittliche Verweildauer in der Reha beträgt 22,4 Tage. Die durchschnittliche Verweildauer in der Inneren Medizin beträgt 5,7 Tage.

 

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An jedem Mittwoch wird um 18 Uhr in der Krankenhauskapelle die Heilige Messe gefeiert – abwechselnd durch die Pfarrer von Stadtsteinach, Wartenfels, Kupferberg und die Patres von Marienweiher. Die Heilige Kommunion wird 2-mal in der Woche in den Krankenzimmern von Kommunionhelfern der Pfarrei Stadtsteinach ausgeteilt.

 

Die Pfarrer der umliegenden Pfarreien besuchen regelmäßig die Patienten ihrer Pfarrgemeinden. Patienten, die von Pfarrgemeinden außerhalb des Dekanates Kulmbach kommen, werden in der Regel nur dann besucht, wenn sie danach verlangen. Für Krankensalbung und Seelsorgegespräche wird in erster Linie der Pfarrer von Stadtsteinach gerufen.

 

1.7 Notfallseelsorge

 

Seit 1995 organisiert und betreut das Erzbischöfliche Dekanat Kulmbach zusammen mit dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat Kulmbach die Notfallseelsorge. Von evangelischer Seite beteiligen sich 26 Pfarrerinnen und Pfarrer, von katholischer Seite beteiligen sich 3 Pfarrer, 1 Diakon und 1 Pastoralreferent. Jeder Teilnehmer ist jeweils für eine Woche für die Notfallseelsorge zuständig. Die Einteilung geschieht von einem Beauftragten des Evangelisch-Lutherischen Dekanates.

 

Der Einsatz bezieht sich vor allem auf den häuslichen Bereich (Überbringung von Todesnachrichten, seelsorgliche Betreuung in Krisenfällen u.ä.). Dafür werden die Seelsorger von den Polizeiinspektionen Kulmbach und Stadtsteinach durch Handy oder Funkwecker verständigt. Die Polizei begleitet die Notfallseelsorger nach Möglichkeit zum Einsatzort.

 

Da die Notfallseelsorger über längere Zeit den Betroffenen spirituell und mitmenschlich helfen, wird dieser Dienst von der Polizei und den Rettungskräften sehr geschätzt.

 

1.8 Kath. Erwachsenenbildung im Landkreis Kulmbach (KEB) – vormals: Kreisbildungswerk

 

Die Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Kulmbach e.V. ist ein Verein auf Dekanatsebene und setzt sich aus insgesamt 26 Mitgliedseinrichtungen zusammen. Mitglieder sind die Pfarreien, Kuratien, Verbände, Gruppen der Pfarreien sowie Einzelmitglieder. Gemäß der Satzung zeichnet sich das Bildungswerk durch ein sachgerechtes, breit gestreutes Bildungsangebot in der Stadt Kulmbach, sowie in einem flächen­deckenden Bildungsangebot im gesamten Landkreis aus.

 

Geleitet wird die KEB von der Vorstandschaft mit drei Vorsitzenden, Beisitzern und als geborenes Mitglied dem Dekan. Vor Ort in den Pfarreien und Verbänden wird die Erwachsenenbildung von Ehrenamtlichen getätigt. Schwerpunkte werden in den Verwaltungsratssitzungen sowie in der jährlichen Mitgliederversammlung abgesteckt. Die inhaltlichen und organisatorischen Arbeiten sowie der persönliche Austausch mit den Erwachsenen­bildungs­beauf­trag­ten vor Ort werden von der Geschäftsstelle geleistet. Die Stelle ist mit einem Geschäfts­führer und einer Sekretärin besetzt.

 

Die Schwerpunktangebote der KEB liegen in den Themenbereichen religiöser, theologischer und biblischer Grundbildung, in der Unterstützung gesell­schaftlicher Initiativen der Kirche wie z.B. Misereor, Grundthemen des Lebens in den verschiedenen Lebensabschnitten (z.B. Betreuung von EKG, Ehe­seminare, Seniorenarbeit), Fragen der Grenzbereiche von Natur­wissen­schaften und christlicher Ethik sowie im kulturellen Bereich. Dieses wird seit ein paar Jahren immer mehr vernetzt, indem es Kooperationsangebote mit dem Kulturkreis (allgemeine Vorträge zu Kirche in der Welt, Naturwissenschaft und Geschichte), dem Caritasverband Kulmbach (Altenpflege, Sprachkurs für Aussiedler), der Familienseelsorge des Dekanates Kulmbach und einzelnen Pfarreien gibt. Erweitert wird dies durch die Zusammenarbeit mit außerkirchlichen Einrichtungen, wie dem Hospiz-Verein. Eine Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche auf zentraler Ebene erfolgt leider nur im Rahmen eines Kontaktes mit dem Kulmbacher Kreis der Evangelischen Akademie Tutzing.

 

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Im Rahmen der Strukturänderung und der Kostendämpfung im Erzbistum Bamberg wurde zur Jahresmitte 2004 die Geschäftsstelle der KEB im Haus Kirchlicher Dienste in Kulmbach geschlossen und mit der Geschäftsstelle des Bildungswerkes Lichtenfels zusammengelegt. Eine Veränderung der Vereinsstruktur ist damit nicht verbunden. Die Umstellung wird gelingen, wenn der persönliche Kontakt mit den Ortspfarrern und den zuständigen Bildungsbeauftragten weiter gepflegt und ausgebaut wird.

 

 

 

 

2. URTEILEN – Theologische Kriterien

 

2.1 Grundlegende Gedanken

 

2.1.1 Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach hat die Aufgabe, ihren Blick für die Situation der Menschen in ihrem Dekanat zu schärfen, um in der Pastoral die richtigen Schwerpunkte zu setzen.

 

2.1.2 Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach hat die Aufgabe, in ihrem pastoralen Handeln die Armen in jeglicher Form im Blick zu haben (d.h. bedürftige, sich in irgendeiner Not befindlichen Menschen), sowie nach Mittel und Wegen zu suchen, um Gemeinschaft zu ermöglichen und aufzubauen.

 

2.1.3 Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach hat die Aufgabe, ihr pastorales Handeln so zu gestalten, dass den Menschen, die mit ihr Kontakt haben, ein „Leben in Fülle“ möglich ist.

 

2.1.4 Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach wird auf verschiedenen Ebenen tätig, um ihre Ziele zu erreichen.

 

 

2.2 Begründungen und Folgerungen

 

2.2.1 Das 2. Vatikanische Konzil hat in seinen Texten eine verpflichtende Orientierung pastoralen Handelns gegeben. Damit verbunden ist ein grundsätzlicher Perspektivenwechsel: Die Kirche ist nun der Welt zugewandt und hat die Aufgabe, ihr Augenmerk auf Jesus Christus, das Evangelium, aber auch auf den konkreten Menschen und die Zeichen der Zeit zu richten.

 

Daraus erfolgt ihr die Aufgabe, sowohl theologisch als auch analytisch zu arbeiten.

 

Für die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach heißt dies: Immer wieder das Wort Gottes in seiner Vielfalt zu suchen und zu leben (Gebet, Bibelkreis, Gottesdienst, Vorträge, Besinnungstage…) und zugleich die konkrete wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Situation im besten Fall zu analysieren oder zumindest im Blick zu halten.

 

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Nur so können wir den Leitsatz aus der Pastoralkonstitution des 2. Vatikanischen Konzils „Gaudium et Spes“ verwirklichen: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“ (GS 1). Wir müssen die Lebenssituationen der Menschen kennen, um so einfühlend und mitfühlend sein zu können.

 

2.2.2 Dabei hat sich die Pastoral an den Leitlinien Jesu zu orientieren: Jesus weiß sich gesandt zu den Armen, um ihnen eine gute Nachricht zu bringen, zu den Gefangenen, um ihnen die Entlassung zu verkünden, zu den Blinden, um ihnen das Augenlicht zu schenken und zu den Zerschlagenen, um ihnen die Freiheit zu bringen (Lk 4, 16-19). Das heißt für die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach, dass sie besonders die Menschen im Blick haben muss, die „arm“ dran sind. Der in irgendeiner Form bedrängte Mensch steht im Mittelpunkt. Gerade dort, wo Menschen traurig, gefangen, hoffnungslos, aber auch erwartungsvoll sind, muss die Kirche die Frohe Botschaft verkünden.

 

Darüber hinaus ist es für das Wirken Jesu konstitutiv, dass er Gemeinschaft wünschte und ermöglichte. Immer wieder führte er Menschen zusammen, um mit ihnen zu essen, zu sprechen oder zu beten. Dabei spielte es für ihn zunächst keine Rolle, ob ein Mensch vor Gott schuldig geworden war, ob er Mann oder Frau war, ob er arm oder reich war… Dieses Zeichen Jesu setzte sich dann in den ersten christlichen Gemeinden fort, die ein Höchstmaß an gegenseitiger Achtung und „Gleichheit“ kannten (vgl. Apg 2, 43-47).

Ziel der Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach muss es sein, die Gemeinschaft von Menschen mit der gleichen Würde zu ermöglichen und zu fördern.

 

2.2.3 Für das Handeln und den Glauben der Kirche sind die Predigt Jesu vom Reich Gottes, sein Wirken und seine Aufforderung zur Nachfolge von entscheidender Bedeutung.

Besondere Merkmale Gottes sind Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Güte und Menschenfreundlichkeit. 

 

Ziel des pastoralen Handelns für die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach ist, dass die Menschen in ihrem Lebensraum ein „erfülltes Leben“ haben (vgl. Joh 10,10). Das bedeutet:

 

-        Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach hat die Aufgabe, in einer immer anonymer werdenden Gesellschaft den Menschen spüren zu lassen, dass es ihr um den konkreten Menschen geht.

 

-       Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach hat die Aufgabe, in einer Gesellschaft, in denen sich die Menschen immer ohnmächtiger vorkommen, den Menschen spüren zu lassen, dass sie (auch bzw. besonders in der Kirche) ihre Fähigkeiten zeigen können und dass sie anerkannt und geschätzt werden.

 

-       Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach hat die Aufgabe, in einer Gesellschaft, in der sich Menschen immer mehr wie in der Fremde vorkommen, den Menschen spüren zu lassen, dass sie in ihren Pfarrgemeinden und im Dekanat eine Heimat haben. Gerade in kleinen Ortschaften kann es sein, dass die kirchliche Gemeinde noch der einzige Identifikationspunkt ist.

 

Zu dem allen gehört, dass die Kirche mithelfen muss, Rahmenbedingungen für ein erfülltes Leben zu schaffen bzw. Lebensbedingungen zu ändern, wo sie dem Leben entgegenstehen. Dem Einsatz für Gerechtigkeit kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.

 

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Als Voraussetzung für die Arbeit am „Leben in Fülle“ braucht es zum einen Orte und Zeiten (für Gebet und Begegnung) und zum anderen Menschen, die dies ermöglichen (Haupt- und Ehrenamtliche).

 

2.2.4. Da es „Bedürftigkeit“ in vielerlei Formen gibt (finanzieller wie spiritueller Art), sind die Inhalte der Pastoral auch vielgestaltig:

 

So spüren wir zum Beispiel eine Not bei der Weitergabe des Glaubens. Viele Eltern, die selber keinen engen Bezug mehr zur Gemeinde haben, fühlen sich nicht in der Lage, ihr Kind religiös zu erziehen, bzw. haben ihre Sprache für Inhalte des Glaubens verloren. Ferner fällt es oft schwer,  Jugendliche für die Kirche zu begeistern. Dabei ist ein wesentlicher Auftrag der Kirche die Evangelisierung und die Verkündigung des Reiches Gottes – wie es das Konzil formuliert.

                                          

Auch die Menschen, die zur Kerngemeinde gehören, brauchen unsere Aufmerksamkeit und suchen eher traditionsgeprägte Angebote.

So feiert die Kirche in der Eucharistie immer wieder das österliche Heilsgeschehen und baut sich dadurch immer wieder auf. Das Konzil benennt deshalb die Eucharistie auch als zentrale Grundfeier der Kirche.

 

Die Kirche im Erzbischöflichen Dekanat Kulmbach muss auch dafür sorgen, dass sich deren Mitglieder (Priester wie Laien) zu einem geistlichen Austausch treffen können.

 

Auch alle Gnadengaben der ehrenamtlichen Seelsorger sollen zur Geltung gebracht werden, denn die Kirche verwirklicht sich in der Gemeinschaft des Volkes Gottes. Davon können auch die hauptamtlichen Seelsorger profitieren.

 

 

 

 

3. HANDELN – Konsequenzen

 

3.1 bei der Errichtung von Seelsorgebereichen

 

Gemäß dem Leitfaden für die Errichtung von Seelsorgebereichen ist eine Zusammenarbeit in den Kirchenstiftungen anzustreben. Die Dekanatsanalyse hat ergeben, dass es in einigen Pfarrgemeinden mehr als eine Kirchenstiftung gibt, für die immer wieder Ehrenamtliche gesucht und gefunden werden müssen. Es müssen deshalb hier Vereinfachungen getroffen werden.

 

Bei der Errichtung von Seelsorgebereichen muss es auf der Ebene der Pfarrgemeinderäte zu Vereinfachungen kommen. Dabei sollen die einzelnen Pfarrgemeinderäte erhalten bleiben. Es ist aber darauf zu achten, dass die Anzahl der Sitzungen der Pfarrgemeinderäte und deren Ausschüsse in einem vernünftigen Maß gehalten werden. Um das zu erreichen, sind Doppelungen zu vermeiden, Schwerpunkte zu setzen und Absprachen mit dem Ziel der gegenseitigen Unterstützung zu treffen.

 

3.2 Sakramentenvorbereitung

 

Bezüglich der Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Firmung müssen im Dekanat Absprachen getroffen werden.

 


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3.3 Religionsunterricht

 

Um die Verbindung von Pfarrgemeinde und Religionsunterricht zu gewährleisten, sollen sich die in einem Seelsorgebereich tätigen Religionslehrer (im Kirchendienst und im Staatsdienst) mindestens einmal im Jahr mit den hauptamtlichen Seelsorgern eines Seelsorgebereiches zu Information, Gedankenaustausch und Planung treffen. Der Leiter des Seelsorgebereiches sorgt für das Zustandekommen dieser Treffen.

 

3.4 Kindergarten

 

Die kath. Kindergärten im Dekanat sind den jeweiligen Pfarrgemeinde angeschlossen. Das neue bayerische Kindertagesstättengesetz stellt die Pfarrgemeinden vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig bietet die Errichtung von Seelsorgebereichen gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Gesamtkirchenverwaltungen mehrerer Pfarrgemeinden sollen Anstellungsträger mehrerer Kindergärten sein. Dadurch ist ein flexibler Einsatz des Personals möglich

 

Für die Stadt Kulmbach sollte die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche für die Verwaltung der Kindergärten gesucht werden.

 

3.5 Caritas

 

Aufgrund der hundertprozentigen Auslastung des Caritas-Heimes wurde beim Land Bayern über die Regierung von Oberfranken ein Antrag auf Erweiterung des Stadt­steinacher Hauses gestellt. 22 neue Plätze sollen entstehen, wobei bereits Förderzusagen des Landkreises Kulmbach und der Stadt Stadtsteinach bestehen. Sollte eine staatliche Förderung zugesagt werden, wäre auch das Erzbistum Bamberg bereit, die Heimerweiterung aus Kirchensteuermitteln zu fördern. Im sozialen Bereich stellt die Verwirklichung der Heimerweiterung eines der wichtigsten Ziele der kommenden Jahre dar.

 

Die seelsorgerische Betreuung in den Altenheimen steht und fällt auch in der Zukunft mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Es wird auch in der Zukunft eine wichtige Aufgabe sein, Menschen in der Pfarrgemeinde für diese Dienste zu gewinnen, auszubilden und zu begleiten. Auf Dekanatsebene werden entsprechende Angebote gemacht.

 

Die Caritas-Sozialstation arbeitet seit ca. 4 Jahren kostendeckend. Die Caritas-Sozialstation ist die umsatzstärkste Station im Landkreis mit den meisten Patienten. Allerdings entsprechen die derzeitigen Räumlichkeiten nicht dieser Situation. Mit der Erweiterung des Caritas-Alten-und-Pflegeheimes St. Marien in Stadtsteinach muss das Raumproblem der Sozialstation gelöst werden.

 

3.6 Senioren

 

Die Pfarrgemeinden bieten in der Regel Seniorentreffs an. Die demographische Entwicklung im Dekanat Kulmbach zeigt die Wichtigkeit der Altenarbeit. Sie sollte im Dekanat verstärkt werden.

 

3.7 Jugend

 

Die Jugendarbeit bleibt trotz des im Abschnitt 1.5 beschriebenen reichhaltigen Angebotes eine große Herausforderung der Pfarrgemeinde und des Dekanates.

 

Die Jugendarbeit muss weiter von Hauptamtlichen gefördert und begleitet werden.

 

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Die Vernetzung zwischen den Pfarrgemeinden muss auch auf dem Gebiet der Jugendarbeit verstärkt werden.

 

Auf Dekanatsebene müssen Angebote gemacht werden, die das ausgleichen, was in den einzelnen Pfarrgemeinden nicht möglich ist. Dabei sind die Jugendlichen in den verschiedenen Schularten in den Blick zu nehmen.

 

Eine gezielte Seelsorge für Ministranten muss entwickelt bzw. erweitert werden. Gerade hier liegen große Chancen.

 

In den Schulen sollen Angebote für die Jugendarbeit gemacht werden.

 

3.8 ehrenamtliche Mitarbeiter

 

Das Ziel kann und soll nicht sein: Die Ehrenamtlichen müssen noch mehr machen. Sondern: Mehr Ehrenamtliche müssen mitmachen. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe, ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden, zu begleiten und zu fördern.

 

Manche Menschen in den Pfarrgemeinden wollen sich nur projektbezogen für eine absehbare Zeit engagieren. Das ist ernst zu nehmen und zu berücksichtigen. Einzelne überschaubare Tätigkeiten müssen angeboten werden. Nach deren Abschluss ist die Mitarbeit in angemessener Form zu würdigen.

 

3.9 Berufs- und Arbeitswelt

 

Betriebsseelsorge und Arbeitslosenberatungsstelle dürfen angesichts der derzeit höchsten Arbeitslosenzahlen (14,1 Prozent; Stand Februar 2005) und der angesprochenen Probleme der Menschen nicht das alleinige Aushängeschild für „Kirche – Arbeits(losen)welt“ sein. Pfarrgemeinden selbst müssen stärker ihre christliche Verantwortung hierfür wahrnehmen und eine Vernetzung mit der Kategorialen Seelsorge einfordern.

Eine stärkere Präsenz und Bewusstseinsbildung kann passieren in thematischen Gottesdiensten, durch Einrichtung eines Sachausschusses „Berufs- und Arbeitswelt“ auf Dekanatsebene, durch Zusammenarbeit mit dem Kath. Bildungswerk, in organisierten Betriebsbesuchen sowie in der Firmvorbereitung mit Themenbereich „Arbeits(losen)welt“.

 

3.10 Kath. Erwachsenenbildung

 

Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Pfarreien muss verstärkt werden. Nicht jede Pfarrei soll ihre eigenen Veranstaltungen ausarbeiten und anbieten. Verstärkt soll pfarrübergreifend in Bezug auf Thematik, Referentenauswahl und Terminfestlegung gearbeitet werden. Dabei ist an zentrale Veranstaltungen mit guter Werbung und namhaften Referenten zu denken.

 

In Hinblick auf die knappen Finanzen sind künftig Kooperationen mit verschiedenen – auch außerkirchlichen – Trägern anzustreben.

 

Die Methodik der Erwachsenenbildung darf sich nicht nur auf Vorträge beschränken. Es muss verstärkt darauf Wert gelegt werden, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

 

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Nachwort

 

Dem aufmerksamen Leser der vorliegenden Dekanatsanalyse – und die Verantwortlichen in der Bamberger Bistumsleitung sind durchaus aufmerksame Leser! – wird schnell klar, dass hier von den Haupt- und Ehrenamtlichen im Dekanat Kulmbach wirklich gute Arbeit geleistet wurde. Man spürt die genaue Beobachtung und die (selbst-)kritische Auflistung im Punkt „Sehen“; man erkennt die innere Nähe zum Pastoralplan unseres Erzbistums im Punkt „Urteilen“; und man kann aus den konkreten Vorschlägen im Punkt „Handeln“ deutlich herauslesen, dass es den Verantwortlichen im Dekanat nicht nur um ein stimmiges Papier gegangen ist, sondern dass sie entschlossen sind, zugleich nüchtern und mit Engagement an den aufgeführten Schwerpunkten weiterzuarbeiten.

 

Dazu kann ich nur meine ehrliche Anerkennung aussprechen. Ich bin überzeugt, dass die manchmal wohl sehr mühselige Arbeit in den vergangenen Monaten sich gelohnt hat und ihre Früchte tragen wird. Im Blick auf die konkrete Umsetzung der gewonnenen Einsichten vielleicht noch ein paar Anmerkungen:

 

-  Gute Grundlagen sind wichtig. Denn nur da, wo ich von einer richtigen Erkenntnis ausgehe, werden auch die darauf beruhenden weiteren Schritte in die richtige Richtung gehen. Noch wichtiger ist freilich, dass diese Grundlagen nicht bloßes Papier bleiben, das man schön zu den Akten legen kann, sondern Anstoß dazu werden, Veränderungen zum Besseren hin einzuleiten und in klugen Schritten durchzuführen.

 

-   Das Dekanat Kulmbach hat mit der vorliegenden Analyse und den Überlegungen hinsichtlich möglicher Ansätze zu einer zukunftsweisenden Pastoral ein ausgezeichnetes Instrumentarium an der Hand, um bei den anstehenden Veränderungsprozessen zum einen mit einer theologisch sauberen Vision von Kirche, zum anderen aber auch mit realistischen Aussichten auf eine praktische Umsetzbarkeit dieser Vision vorgehen zu können. Die bisher geleistete Vorarbeit stellt meiner Überzeugung nach eine tragfähige Grundlage dar für weitergehende Überlegungen, die im Blick auf die vor uns liegende Aufgabe der intensiveren Kooperation unserer Pfarrgemeinden und der Vernetzung der verschiedenen Seelsorgebereiche angestellt werden müssen.

 

-       Die Erfahrung zeigt, dass gerade dort, wo mit ganzem Einsatz eine bestimmte Aufgabe angegangen wird, der Wunsch lebendig ist, möglichst alles zu verändern, und das am besten noch in einem Zug und von heute auf morgen. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass niemand das schafft – trotz besten Willens. Deshalb sind die Verantwortlichen im Dekanat Kulmbach wohl gut beraten, wenn sie zunächst einmal da und dort, wo dies nötig und möglich erscheint, bestimmte Punkte herausgreifen und projekthaft angehen. Das freilich sollte ohne größere Verzögerungen und mit dem Schwung geschehen, der aus der Analyse herauszulesen ist, und außerdem mit dem festen Willen, diese Projekte zu einem guten Ergebnis zu führen und nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Ich bin sicher: Das gibt Mut, auch solche Fragen anzupacken, die – zumindest auf den ersten Blick – schwieriger erscheinen.

 

Für alle bei Ihrer Dekanatsanalyse aufgewandte Mühe, Kraft und Zeit noch einmal herzlichen Dank! Die Verantwortlichen in der Leitung des Erzbistums freuen sich mit den Christen im Dekanat Kulmbach über das Ergebnis, das dabei herausgekommen ist, erkennen es gerne als Grundlage für die in Zukunft noch anstehende Arbeit an und sind gespannt auf die weiteren Schritte. Sie wünschen dem Dekanat dazu viele engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, viele gute Ideen bei der konkreten Umsetzung und nicht zuletzt das nötige Durchhaltevermögen!

 

 

 

Bamberg, im September 2005

  

Günter Raab

Leiter der Hauptabteilung Seelsorge

 

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Letzte Änderung: 29. Dezember 2005
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