Sonderausgabe

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100jähriges Jubiläum der
Sankt Michaels Kirche in Stadtsteinach

Zeichnungen und Text von Nicki Lang, Klasse 8a

Geschichtliches

Die älteste Urkunde über den Ort Stadtsteinach stammt aus dem Jahre 1151.

Damals wurde die Stadt mit dem Namen Steinaha erwähnt. In späteren Jahren bezeichnete man den Ort, der mittlerweile Marktrecht besaß, Steina.

Im Jahre 1290 tauchte schließlich der Name Obersteinach auf.

Seit 1328 war Obersteinach zur Stadt erhoben und allmählich setzte sich die Bezeichnung Stadtsteinach durch.

Stadtsteinach lag im Hochstift Bamberg und wurde nach der Reformation zu einer wichtigen Grenzbastion am Rande des Fürstbistums. Der erste namentlich erwähnte Pfarrer war Dekan Konrad, der um 1250 vermutlich mit dem Bau einer steinernen Kirche begann. Bewiesen ist dies allerdings nicht. Eine steinerne Pfarrkirche wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1306 erwähnt. Wem diese Kirche geweiht war, ist nicht bekannt.

 

 

 

Im Verlauf des ersten Markgrafenkrieges 1460-63 wurde die Kirche vollständig zerstört. In dieser Zeit lag Stadtsteinach nahe an der Grenze zur Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach. Sehr oft bekriegten sich die Grundherren dieser Gegend wegen konfessioneller Unterschiede.

Das Seelenheil der Stadtsteinacher Bevölkerung wurde vom Bamberger Erzbischof gefördert, indem er Geld für den Bau einer neuen Kirche spendete.

Anstelle der zerstörten Kirche wurde ab 1464 eine spätgotische Hallenkirche errichtet. Sie bestand aus drei gleich hohen Schiffen, die jeweils durch mehrere Pfeiler voneinander getrennt waren. Der Kirchturm stand ungewöhnlicher Weise nach Osten.

 

Die Kichenpatrone waren der hl. Michael und die hl. Margareta. Um diese Zeit hatte die Kirche vier Altäre. Der Hochaltar war dem hl. Michael geweiht, der zweite der Jungfrau Maria, der dritte der hl. Margareta und der vierte dem hl. Kreuz.

Allerdings hielt der Reichtum nicht lange an. Der Bau verfiel sehr schnell. Aber zum Glück bemühten sich Geistliche und Pfarrkinder um die Renovierung des Baus. Ohne solchen Eifer hätte die Kirche immer trostloser ausgesehen.

Auch im zweiten Markgrafenkrieg 1552-54 hatten Truppen des Markgrafen Albrecht in Stadtsteinach übel gehaust. Vor allem der Kirchturm wurde stark beschädigt.

Nach einer Notiz in der Stadtchronik von 1558 hat man dann „vom neuen unteren Sims bis hinauf zum oberen achteckigen Sims an das Dach hinan von neuem aufgemauert, Futter von neuem Holzwerk gebaut und mit Schiefer gedeckt.“ Aufgrund der schlechten finanziellen Situation im Erzbistum entweihte der Bischof 1595 die Altäre aller städtischen Kirchen und benutzte das so gewonnene Inventar für den eigenen Gebrauch. Wahrscheinlich hat er es verkauft.

 

Kaum war unter Pfarrer Wolfgang Lang 1597-1617 die Pfarrkirche zu einem Schmuckkästchen geworden, da kam der 30jährige Krieg (1618-48). Stadtsteinach wurde mehrfach von Truppen zerstört und heimgesucht, vor allem in den Jahren 1630-34. Hinterher war die Kirche eine Ruine. Es gab keine Altäre mehr, auch kein Inventar und keine Glocken.

Wie alle anderen Häuser der Stadt war das Pfarrhaus von Soldaten weggebrannt worden.

Pfarrer Degen (1631-48) verlor dabei seinen ganzen Besitz, blieb aber in seinem Elend bei seinen Pfarrkindern, was ihm die Stadtsteinacher hoch anrechneten.

 

Er fand auch den Mut, noch vor Kriegsende die Schiffsdecke zu reparieren, den Kirchturm auszubessern und eine neue Haube aufsetzen zu lassen. Im Jahre 1652 bekam die Kirche ihre erste neue Glocke.

Um 1730 spielte man in Stadtsteinach mit dem Gedanken, die große baufällige Kirche durch eine etwas kleinere Rokoko-Kirche zu ersetzen.

Bald darauf wurde über die spätgotische Pfarrkirche das Todesurteil gesprochen. Pfarrer Zapf und sein Nachfolger, Otto Friedrich Johannes, (1749-65) stifteten große Summen für den Neubau der Kirche.

Der nächste Pfarrer Elias Eitzenberger (1765-69) war aus Gesundheitsgründen nicht in der Lage, eine Kirche zu bauen. Aber dann kam Johannes Wagner (1769-79) und der machte sich ans Werk.

An der spätgotischen Kirche lag manches im Argen. Sie ließ wenig Licht eindringen. Wegen der Pfeiler konnte man von vielen Plätzen aus die Kanzel nicht sehen. Die Kirche war sozusagen unmodern geworden.

 

 

 

Im Laufe des Jahres 1772 begannen die Arbeiten. Zur Michaeliskirchweih (1774) konnte Wagner die Kirche segnen. Die feierliche Weihe der neuen Kirche fand aber erst im Jahre 1785 statt.

Nun hatten die Stadtsteinacher also, vom Chor und Turm abgesehen, eine reine Rokoko-Kirche.

 

Doch dann kam der 26. Februar 1903: Ein Unglückstag in der Geschichte Stadtsteinachs.

Um 11 Uhr brannte die Kapellmühle und entzündete bald auch die nahe liegenden kirchlichen Gebäude.

Nach zwei Stunden war die Kirche vollständig ausgebrannt. Man einigte sich aber schnell darauf, die Kirche wieder im Neu-Rokoko zu gestalten. Allerdings befand sich der neue Turm auf der Westseite. Der Rohbau wurde 1905 abgeschlossen und kostete 120000 Mark. Man konnte Reste des alten Gebäudes wieder verwenden. Eingeweiht wurde die Kirche am 7. November 1905 durch den Erzbischof. Der gesamte Bau kostete insgesamt mit allem Inventar 7 Mio. Mark.

 

 

 

Im 2. Weltkrieg wurden die Glocken vom Turm abgenommen und sollten für Kriegszwecke eingeschmolzen werden. Doch die Stadtsteinacher hatten schon vorausgedacht, denn sie hatten das Geläut auf eine Schallplatte aufgenommen.

Über zwei große Lautsprecher erklang dann diese Tonkonserve vom Kirchturm.

Ein besonderer Glücksfall fügte es, dass die Glocken im Glockenlager Hamburg wieder gefunden wurden. Sie kehrten 1947 unbeschädigt zurück.

Die momentane Kirchenrenovierung wird in diesem Jahr zum Jubiläum abgeschlossen sein.

 

Ausstattung

Hochaltar

Der Hochaltar wurde 1912 in Anlehnung an den Hochaltar der Wallfahrtskirche in Marienweiher ausgeführt. Das Altarbild wurde von Max Colombo aus München gemalt. Es zeigt den Erzengel Michael im Kampf gegen Luzifer. Die seitlichen Figuren stammen von Ludwig Egen, sie zeigen die hl. Margareta rechts und die hl. Barbara links.

Linker Seitenaltar

Er stellt eine gotische Madonna dar, die 1972 durch Pfarrer Michel beschafft wurde.

Rechter Seitenaltar

Hier sieht man die Statue des hl. Josef, eine Arbeit von Pankraz Fries (1750/60).

 

 

Deckenstuck

Der Deckenstuck wurde 1983 durch die Fa. Hans Spindler restauriert.

Deckengemälde

Die drei Hauptfelder wurden 1936 von Hans Beyerlein geschaffen. Sie zeigen (beginnend im Chorraum) den Gnadenstuhl mit den vier Evangelisten, die Aufnahme Marias in den Himmel und die Wiederkunft Jesu Christi zum Jüngsten Gericht. Das vierte Feld über der Orgel stellt den Himmel dar und stammt aus dem Jahre 1983.

Glocken

Sie wurden hergestellt von der Fa. Lotter, Bamberg. Das Geläut ergibt einen Akkord der Töne Des, F, As und B.

Kreuzwegstationen

Die Tafelbilder stammen von 1779 und besitzen einen guten Rokoko-Rahmen.

 

Orgel

Sie wurde von der Fa. Steinmeyer aus Öttingen gebaut und umgerüstet auf elektrische Traktur durch Fa. Dittmann, Lichtenfels. Sie hat 28 klingende Register, 2 Manuale, Pedal und 2 freie Kombinationen.

Weitere Ausstattung

Ebenso wie die Kreuzwegstationen wurden auch mehrere Figuren aus der brennenden Kirche gerettet und in die neue übernommen. Die Beschreibung dieser Figuren beginnt rechts vorne und wird im Uhrzeigersinn fortgesetzt:

Kaiser Heinrich und die hl. Kunigunde um 1760, vielleicht eine Produktion von Franz Martin Mutschele, der ein geschätzter Kirchenausstatter war. Seine Werke zieren die Kirchen in Gößweinstein, Scheßlitz, den Bamberger Dom und St. Gangolf in Bamberg. Zwischen Kaiser Heinrich und seiner Frau befindet sich der hl. Sebastian. Er stammt handwerklich aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts.

 

 

Der Kanzeldeckel wurde 1717 von Johann Georg Stöhr geschaffen. Er zeigt die damals bekannten vier Erdteile, die als Personen dargestellt werden.

Der hl. Joachim und die hl. Anna wurden 1712 in der Werkstatt des Johann Georg Stöhr hergestellt.

Die große Kreuzgruppe stammt aus den Jahren 1760-70.

Der hl. Johann Baptist aus dem 18 Jahrhundert hing früher über dem Taufstein.

Die kleine Kreuzgruppe stammt aus dem 18. Jahrhundert.

 

 

Der Kirchenbrand im Jahre 1903

Der 26. Februar 1903 war ein Schreckenstag für Stadtsteinach, insbesondere für die katholische Pfarrgemeinde. An diesem Tage brannte mittags zwischen 11 und 15 Uhr die Pfarrkirche vollständig nieder. Im Stadtsteinacher Anzeiger vom 1. März 1903 wurde darüber berichtet:

In tiefe Trauer sind die Bewohner Stadtsteinachs durch den Verlust ihrer schönen stattlichen Pfarrkirche versetzt worden. Es war vormittags 11 Uhr als die Kapellmühle mit Scheune im Stadtteil Wöhr brannte. Die Feuerwehr war kaum angefahren und hatte die ersten Löschversuche gemacht, als man sagen hörte: „Seht nur, an der Turmspitze der Kirche raucht`s doch.“ „Ah, es zieht sich nur der Rauch durch“, sagten andere. „Nein, in der Spitze brennt`s“, hieß es und sofort wurden die Schläuche abgeschraubt. Alles eilte zur neuen Brandstelle und niemand kümmerte sich im Geringsten mehr um das alte Brandobjekt. ...

Es war ein glimmendes Kohlenstück in das Gebälk der obersten offenen Kuppel (der sogenannten Laterne) geschleudert worden, welches die dort befindlichen Dohlennester entzündet hatte. Bis also die Feuerwehr den Stadthügel hinaufkam und den Turm von der anderen Seite zu sehen bekam, rauchte die Kuppel hier viel mehr und sofort war klar: Es ist schon nicht zu helfen. Denn die Spritzen langten nicht bis zur ungeheueren Höhe .... Bald schmolz das oberste Glöckchen, der Stümmel, und flammte grünlich wie ein Blitzlicht auf. Das geschmolzene Erz floss nieder und entzündete den Boden der darunter befindlichen großen Kuppel, worin verschiedene Schränke und Haushaltsstücke des Türmers untergebracht waren. Das Feuer schritt hier ungeheuer rasch vor. Die Kuppel bestand aus vielem Balkenwerk. Unter ungeheuerem Gekrach stürzte dasselbe bald hinunter auf das Kirchendach. Jetzt fuhr auch die mit Eisen beschlagene Helmstange mit dem schweren eisernen Kreuz und der Windfahne, welche glühten, in die Tiefe, durchschlugen das Kirchendach und entzündeten den Kirchenboden. Nun stürzte mit dumpfem Donner der Glockenstuhl um eine Etage tiefer, nachdem einen Augenblick zuvor die Turmuhr mittags zwölf Uhr geschlagen hatte. Der Turm brannte nun bis auf den Grund hinab aus. .....

Inzwischen stand der ganze Kirchenboden (damals aus Holz, nm. d. Red.) bereits in Flammen. Ein starker Wind hub an von Untersteinach her und trieb die Rauchmassen auf den Markt hinunter, dass es hier finster wurde, wie wenn ein Vulkan die bekannte dunkle Wolke aussendet, welche alles Lebende vernichtet.

Und es entstand daraufhin auch eine ungeheuere Panik unter den Bewohnern des Marktplatzes, denn sie konnten denken, es brenne dazwischen schon das ganze Viertel. Es begann ein verworrenes Ausräumen, aber es waren inzwischen 22 Feuerwehren gekommen, die telegraphisch zur Hilfe gerufen worden waren, selbst diejenigen von Kronach und Kulmbach. Die von hier und Zaubach saßen bereits auf dem Benefiziatenhause und demjenigen des Metzgers Hebentanz fest, bestiegen die obigen Gebäude in dieser Linie und setzten dem Feuer eine unüberschreitbare Grenze gegen die Stadt hin. ....

Inzwischen krachte das aus Lattenwerk und Stukkatur hergestellte Gewölbe der Kirche auf den Boden nieder und von da ab war die Gefahr überwunden. Es war um 2 Uhr nachmittags. Wie aber jetzt innerhalb der vier Mauern das Feuer unter den großen reichen Altären, der Kanzel, den Stühlen, den mächtigen Emporen und der Orgel wütete, ist unbeschreiblich. .....

Bis in die Nacht hinein fand dieses höllische Treiben statt.

Quellen:
St. Michael Kirchenführer, Verlag Schnell & Steiner Gmbh, München und Zürich, Texte von Günther Heß
Einiges aus der Geschichte der Pfarrkirche Stadtsteinachs, Sonderausgabe zu Gunsten des Kirchenaufbaus, Druck und Verlag von Ewald Mulert, Stadtsteinach

Nicki

 

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Letzte Änderung: 06. November 2005
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