1151 - 1595

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Geschichte der Pfarrei St. Michael Stadtsteinach

Auszüge aus Beiträgen von Günther Heß und Anton Nagel
zusammengestellt von Reinhold Rogen

Wer sich Stadtsteinach von Süden oder Norden, von Osten oder Westen nähert, stets ist die Pfarrkirche St. Michael die Dominante. Das Gotteshaus mit seinem 56 Meter hohen Turm beherrscht das Stadtbild. Die Geschichte von Stadt und Kirche sind eng miteinander verknüpft. Geschichtsschreiber und Heimatforscher vermuten aber, dass hier am Ort zuerst eine Kirche stand, um die sich dann im Laufe der Zeit eine Ortschaft bildete. Manche sprechen davon, dass in Stadtsteinach eine Urkirche von Kaiser Karl dem Großen gewesen sein muss. Doch das sind nur Vermutungen

Die älteste Urkunde über den Ort stammt aus dem Jahre 1151. Damals wurde der Markt „Steinaha“ samt der zugehörigen Burg Nordeck durch das Geschlecht der Henneberger an das Hochstift Bamberg verkauft. Später hieß der Markt „Steina“ - ab 1290 Obersteinach oder Obernsteinach. Spätestens 1328 war Obersteinach zur Stadt erhoben. In der Folgezeit setzte sich allmählich die Bezeichnung Stadtsteinach durch. Dem Hochstift oder Fürstbistum Bamberg gehörte Stadtsteinach bis zum Jahre 1803 an. In diesem Jahr wurde das Hochstift aufgelöst und sein Gebiet dem Kurfüstentum und späteren Königreich Bayern zugeschlagen.

Der erste Pfarrer, von dessen Wirken wir Kenntnis haben, war Dekan Konrad, der 1250 in Steina wirkte. Die Pfarrkirche wird erstmals erwähnt in einer Urkunde aus dem Jahre 1306. Am 26.Oktober 1306 verpfändet Eberlein d. J. gen. Blassenberger zum Seelenheil seiner Frau Irmgard seinen Hof zu Pfaffenreuth dem Pfarrer Konrad zu Obersteinach. Dafür soll dieser alle Sonntage für Frau Irmgard laut von der Kanzel beten. Sobald in der Kirche der Seitenaltar, wo sie begraben liegt, geweiht sei, solle er dort jeden Montag eine Totenmesse und jeden Samstag eine Messe zu Ehren der Mutter Gottes lesen. Aus dieser Urkunde erfahren wir also, dass es 1306 eine Kirche mit einer Kanzel und einem Seitenalter gab.

Diese Kirche hat das Jahr 1463 nicht überstanden. Im Verlauf des Ersten Markgrafen-Kriegs (1460 – 1463) wurde sie zerstört. Die Grenze des Fürstbistums Bamberg zur Markgrafschaft Brandenburg – Kulmbach verlief ganz nah bei Stadtsteinach. In Zeiten, in denen der Bamberger Bischof mit dem Markgrafen Krieg führte, gab es häufig Überfälle. Das Plündern, Zerstören und Anzünden von Kirchen scheint der mittelalterlichen Soldateska besonderes Vergnügen gemacht zu haben.

Anstelle der zerstörten Kirche wurde ab 1464 eine spätgotische Hallenkirche errichtet. Sie bestand aus drei gleich hohen Schiffen, die jeweils durch mehrere Pfeiler voneinander getrennt waren. Der Kirchturm stand nach Osten. Kirchenpatrone waren der Hl. Michael und die Hl. Margaretha. Um 1600 hatte die Kirche vier Altäre. Der Hochaltar war dem Hl. Michael geweiht, der zweite Altar der Muttergottes, der dritte der Hl. Margaretha, der vierte dem Hl. Kreuz. Der Fußboden war mit etwa 15 Teppichen belegt, die von Zeit zu Zeit durch den Kirchner gelüftet und gereinigt werden mussten. Diese Teppiche waren von Geistlichen und Gläubigen gestiftet worden. Sie waren weder einfach noch billig. Fünf Teppiche hatten „güldene Streifen“ zwei werden als „türkische Teppiche bezeichnet, einer stellte die Auferstehung Christi dar. An hervorragender Stelle nennt das Inventarium von 1611 eine „silberne Monstranz mit vergoldeten Bildern Anno 1589 in die Kirche gestiftet“ zu 73 Gulden. In diesen ungewöhnlich hohen Preis teilten sich Fürstbischof Ernst von Mengersdorf (er gab 30 Gulden) Weihbischof Dr. Johann Ertling (11 Gulden), Oberpfarrer Wilhelm Helwig (10 ½ Gulden), Felix Götz, Chorherr bei St. Jakob in Bamberg und Frühmessbenefiziat in Stadtsteinach (10 ½ Gulden), sowie Bürgermeister und Rat von Stadtsteinach (11 Gulden). Im Inventarium von 1611 werden weiter genannt: Messgewänder, Chorröcke, Altartücher usw. –Geistliche und Pfarrkinder stifteten eifrig im Bemühen um die Bereicherung der Kirchenausstattung.

Ohne solchen Eifer hätte die Kirche damals trostlos ausgesehen.

Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552 – 1554) hatten nämlich die Truppen des Markgrafen Albrecht Alcibiades in Stadtsteinach übel gehaust. Der Kirchturm wurde arg beschädigt, ohne Zweifel durch Brandstiftung. Nach einer Notiz im Stadtbuch von 1558 hat man ihn dann „vom neuen unteren Sims bis hinauf zum oberen achteckigen Sims an das Dach hinan von neuem aufgemauert, Futter von neuem Holzwerk gebaut und mit Schiefer gedeckt“. 1595 musste der Bamberger Weihbischof die im Markgrafenkrieg entweihten Altäre „reconciliiren“, also von neuem weihen. Die markgräflichen Soldaten hatten ganze Arbeit geleistet. 

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Letzte Änderung: 18. Juli 2005
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