1595 - 1772

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Geschichte der Pfarrei St. Michael Stadtsteinach

Auszüge aus Beiträgen von Günther Heß und Anton Nagel
zusammengestellt von Reinhold Rogen

Kaum war unter Pfarrer Wolfgang Lang (1597 – 1617) unsere Pfarrkirche zum Schmuckkästchen geworden, da kam der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648 )

Stadtsteinach wurde mehrfach von Truppen heimgesucht, vor allem in den Jahren 1630 – 1634. Hinterher war die Pfarrkirche eine Ruine. Altäre gab es nicht mehr, auch kein Inventarium, auch keine Glocken. Wie alle anderen Häuser der Stadt war auch das Pfarrhaus niedergebrannt worden. Pfarrer Jakob Degen verlor seinen ganzen Besitz. Blieb aber in allem Elend bei seinen Pfarrkindern, was ihm die Stadtsteinacher hoch anrechneten. 1642, noch vor Kriegsende ließ Degen die Schiffsdecke reparieren, den Kirchturm ausbessern und eine neue Haube aufsetzen. 1652 bekam die Kirche ihre erste neue Glocke, zwei weitere folgten 1656. Um die Schiffsdecke zu sichern wurden weitere Pfeiler errichtet.

Im Innern der Kirche sah es jahrzehntelang trostlos aus. Die Bevölkerung war bettelarm, in beständiger Sorge um die nackte Existenz, ohne Hoffnung für die Zukunft. In dieser Situation wurde 1672 ein „Brandbrief“ verfasst und von Pfarrer Johann Jakob Gerhard (1670 – 1686), vom Oberamtmann, vom Castner, vom Vogt und vom Bürgermeister unterzeichnet. In diesem Brief wurde die Bevölkerung von Stadtsteinach und Umgebung um ein Opfer für die Kirche gebeten. Im Text heißt es (in heutiger Sprache) „dass leider das hiesige Gotteshaus in den Kriegswirren zerstört und entweiht wurde. Man hat Holzstämme und andere brennbare Materialien in die Kirche gebracht, angezündet und dadurch einen Kirchenbrand ausgelöst, alle Altäre entweiht und zerstückelt das Orgelwerk vernichtet, den Kirchturm ausgebrannt, die vier Glocken geschmolzen und die meisten heiligen Einrichtungsgegenstände abgenommen und gestohlen.“ Mit der Bitte um ein Almosen verband der Brandbrief das Versprechen, die Namen der Spender in einem Verzeichnis der Nachwelt zu erhalten. Dieser Brief wurde an mehreren Plätzen angeschlagen. Im ganzen brachte die Aktion etwas mehr als 98 Gulden, ein enttäuschendes Ergebnis.

Um 1700 wurde die wirtschaftliche Lage allmählich besser: Pfarrer Johann Dietz II (1686 –1715) ließ 1711/12 einen Muttergottesaltar auf seine und eines Ungenannten Kosten bauen. Auf vier Wagen wurde dieser Altar von Bamberg hergeschafft.

Unter dem Nachfolger Dr. Johann Adam Zapf (1715 - 1749) wurde der Kanzeldeckel neu gestaltet und ein Apostelaltar neu erbaut.

Unerwartete finanzielle Hilfe kam aus Kulmbach. Prinzessin Christina Sophia, Wilhelmina von Brandenburg – Kulmbach (von ihrer Familie als schwarzes Schaf betrachtet) trat in Stadtsteinach am 1. Januar 1729 zum katholischen Bekenntnis über. Das von jeher evangelische markgräfliche Geschlecht war darüber entsetzt. In den folgenden Jahren spendete die Prinzessin viel zugunsten der Pfarrkirche u.a. 120 Gulden zur Vergoldung des Apostelaltars. Zu Ostern 1733 kehrte sie reumütig in die evangelische Kirche zurück.

Im Jahre 1708 wurden Kirchenstühle angeschafft und gar bald gab es Streit um die besten Plätze. 1754 entschied man anlässlich einer Generalvisitation, dass die ersten beiden Stühle beim Muttergottesaltar der Frau Castnerin, der verwitweten Frau Amtsvögtin, der Frau Forstmeisterin und der Frau Stadtschreiberin verbleiben. Was die anderen Kirchenstühle betrifft, so soll jedem freistehen, sich einen Platz auszusuchen. Niemand darf einem anderen den Eintritt in die Kirche verwehren oder jemanden aus dem Stuhl herausheißen.

An der spätgotischen Kirche lag in Folgezeit manches im argen: Sie ließ wenig Licht eindringen. Wegen der Pfeiler konnte man von vielen Plätzen aus die Kanzel nicht sehen. Pfarrer Johann Wagner (1769 – 1779) und sein Kirchenpfleger klagten, die Kirche sei „übelgestaltet“, sie lasse „weder Ordnung in den Gottesdiensten noch wahre Disciplin des Volkes“ zu. Das „Säulen- und Winkelwerk“ solle beseitigt werden. Das Kirchendach drohe einzustürzen. Hinter diesen Klagen stand wohl auch das Gefühl, dass sich die barocke Kirchenausstattung nicht mit den gotischen Hallenbau vertrug.

So begann im Jahre 1772 der Neubau der Kirche. 

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Letzte Änderung: 18. Juli 2005
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