1772 - 1774

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Geschichte der Pfarrei St. Michael Stadtsteinach

Auszüge aus Beiträgen von Günther Heß und Anton Nagel
zusammengestellt von Reinhold Rogen

1772 begannen die Arbeiten. Der Kirchturm und der Chor wurden von der alten Kirche übernommen. Alles andere wurde abgerissen. Das Bauholz wurde aus den fürstbischöflichen Wäldern kostenlos zur Verfügung gestellt.

800 Sandsteine, drei Fuß lang und schön behauen, wurden aus dem „Ausland“ (Gumpersdorf) bestellt. Der Vertrag wurde aber nicht eingehalten. Man musste im bischöflichen Lande bleiben. So kamen denn die Steine aus Losau. Für hundert Stück waren zehn Gulden und dreißig Kreutzer zu bezahlen.

Diese Sandsteine waren so gut, dass sie den Brand 1903 überstanden und auch noch in der jetzigen Kirche vorhanden sind. Der für den Innenraum notwendige Gips stammte aus Wartenfels.

Es entstand eine helle, freundliche Saalkirche im Rokokostil.

1774 zu Michaeli war die Kirche fertig und die Stadtsteinacher wollten Kirchweih feiern. Aber sie warteten Jahr für Jahr vergebens. Der Fürstbischof ließ sich nicht blicken. Mehr als 10 Jahre nach Fertigstellung (die ersten Schäden mussten schon repariert werden) im Jahre 1785 nahte der festliche Tag: Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal kam am 1. Oktober 1785 nach Stadtsteinach. 

Gemälde von der Rokokokirche,

1772—1774 erbaut, 1903 abgebrannt.

Der Turm zeigt nach Osten

 

Am 1. Oktober 1785 um 3 Uhr nachmittags kam der Fürstbischof mit großem Gefolge aus Kronach hier an, um die Kirche zu weihen und die Pfarrei zu visitieren. Im Pfarrhof kleidete er sich um und ging dann mit dem Pfarrer in die Kirche, wo er einer vom Pfarrer gehaltenen Betstunde beiwohnte. Danach nahm der Quartier im Castenhof (später Landratsamt). Dort wurde um 5 Uhr zu 11 Gedecken gespeist.

Am Sonntag dem 2. Oktober zog der Fürstbischof feierlich in die Kirche ein, betete dort das Morgengebet vor, hörte die Hl. Messe des Hofkaplans, predigte auf der Kanzel, las die Messe vor ausgesetztem Allerheiligsten, teilte die Kommunion an 700 Personen aus, firmte dann 400 Personen, visitierte den Kirchhof (Friedhof), die Kirche und die Schule und kehrte gegen 2 Uhr in sein Quartier zurück. Dort wurde um halb 3 Uhr zu 13 Gedecken gespeist. Im Laufe des Nachmittags hielt der hohe Herr Visitationsgespräche mit dem Pfarrer und dem Kaplan, der Pfarrer musste noch eine Betstunde halten.

Wie man aus diesem Bericht ersehen kann, war Fürstbischof Erthal ein ungewöhnlich frommer, eifriger und fähiger Bischof und Landesvater.

Nachdem der Fürst in den folgenden Tagen Ludwigschorgast, Kupferberg und Guttenberg visitiert hatte, weihte er am 7. Oktober die aus der alten Kirche übernommen Nebenaltäre und schließlich die Kirche selbst mit dem Hochaltar, zu Ehren des Hl. Michael.

Nun hatten als die Stadtsteinacher eine Rokokokirche. Doch bereits um diese Zeit wandte sich der Zeitgeschmack vom Rokoko ab und versuchte sich in anderen Stilrichtungen.

So wurde im folgenden Jahrhundert das einheitliche Bild der Pfarrkirche entstellt.

 

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Letzte Änderung: 18. Juli 2005
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